Dutzende neue Missbrauchsopfer melden sich

von Redaktion

Regensburg und Traunstein diskutieren über Ehrenbürgerwürde von Benedikt XVI.

München – Wie geht es weiter? Welche Schritte der Aufarbeitung sind möglich, welche Differenzierungen angebracht? Sechs Stunden, nachdem der Münchner Kardinal Reinhard Marx zum Missbrauchsgutachten Stellung genommen hatte, gab es noch einmal eine digitale Schalte in die Katholische Akademie in Bayern. Deren Direktor Achim Budde hatte eine Runde von Experten versammelt, um mit ihnen eine Einordnung der Ereignisse zu wagen.

Das erste Wort hatte Richard Kick. Das 65-jährige, Mitglied im Betroffenenbeirat der Erzdiözese. Als Ministrant war er jahrelang von einem Pfarrer missbraucht worden. Sein Fall wird im Gutachten behandelt. Die Erklärung von Marx nannte Kick ein „deutliches Zeichen“, dass die Betroffenenperspektive ab sofort wirklich im Vordergrund stehen soll. Ob damit die Wende eingeleitet sei, beantwortete Kick zurückhaltend: „Da bin ich noch etwas pessimistisch.“ Die Vorsitzende des Münchner Katholikenrats, Hiltrud Schönheit, fragte sich, warum bisher nur wenige Betroffene den Schritt gewagt hätten, sich mit ihrem erlittenen Leid an die Erzdiözese zu wenden. Eine „Teilantwort“ konnte Kick geben. Er machte mit harten Worten den obersten Kirchenrichter Lorenz Wolf verantwortlich. Diesem bescheinigte er eine „perfide Art“ im Umgang mit Betroffenen im Verhör. Dadurch hätten sich diese erneut missbraucht gefühlt. Seit Veröffentlichung des Gutachtens haben sich Dutzende neue Betroffene gemeldet.

In Regensburg und Traunstein wird derweil darüber diskutiert, ob der frühere Papst Benedikt XVI. Ehrenbürger bleiben könne. kna/mm

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