„Fake News“ nach Todesfall

von Redaktion

Anti-Impf-Propaganda sorgt für Entsetzen – Familie wehrt sich

VON DOMINIK STALLEIN

Wolfratshausen/Geretsried – Eine trauernde Familie ist entsetzt: Impfgegner missbrauchen den Tod einer Geretsriederin für Propaganda – und verdrehen auf Plakaten die Umstände der Tragödie um die 39-jährige Mutter. Die Schwester der Verstorbenen wehrt sich jetzt gegen die Falschmeldungen. Die Polizei ermittelt.

Völlig unvermittelt ist Sabrina B. vor wenigen Tagen verstorben. Die Geretsriederin hinterlässt einen Sohn, der jetzt bei seinem Vater lebt. Der Schicksalsschlag alleine wäre für die Familie schon schwer zu verarbeiten. Eine ominöse Plakataktion verschlimmert die Situation zusätzlich. Die Schwester der Toten, Corinne B. ist fassungslos – und stemmt sich im Internet gegen die Falschmeldungen.

In Geretsried und Wolfratshausen machte die Familie eine Entdeckung. Auf Flugblättern sahen sie ein Foto der Verstorbenen. Dazu ein Text. „Am Freitag geboostert worden und am Samstag verstorben“, steht auf den Plakaten. Der Verantwortliche? Unbekannt. „Die Dinge, die auf diesem Zettel stehen stimmen nicht“, stellt Corinne B. auf Facebook klar. „Wir als Familie wollen nicht, dass unsere Situation von solchen Personen ausgenutzt wird.“ Es handle sich um „einen Fake“, „eine Respektlosigkeit“ und nicht zuletzt einen Schlag ins Gesicht der trauernden Familie.

Der Beitrag, in dem sie die geschmacklose Aktion öffentlich macht, beschäftigte viele Menschen. Innerhalb von 20 Stunden teilten über 400 Menschen das Foto und den Text, der den Sachverhalt klarstellt. Unzählige Nutzer sind entrüstet von der Aktion. Die Schwester der Verstorbenen hofft, durch die öffentliche Aufmerksamkeit Informationen zu erhalten, wer hinter den Aushängen steckt.

Bei der Polizei ist die Trauernde ebenfalls vorstellig geworden, wie die Sprecherin und Vize-Dienststellenleiterin der Wolfratshauser Inspektion bestätigt. Christina Loy stellt klar: „Der Fall ist uns bekannt und es wird von unserer Seite ermittelt.“ Der Anfangsverdacht, dem die Beamten nachgehen, ist ein Verstoß gegen das Kunst-Urheberrechts-Gesetz. Das Foto von Sabrina B. dürfe nämlich nicht ohne Zustimmung zum Beispiel in Form von Flugblättern oder im Internet verbreitet werden. „Es gibt Ermittlungsansätze, denen wir nachgehen“, betont Loy. Für eine Wasserstandsmeldung sei es aber zu früh.

Der Arbeitgeber von B. hat der Familie seine Unterstützung zugesagt. Rene Heilmann, Pressesprecher des Dichtungsherstellers Eagle-Burgmann in Wolfratshausen, verrät auf Nachfrage keine Details, „aber wir stehen der Familie in dieser schwierigen Zeit natürlich zur Seite“. Der plötzliche Tod der Kollegin „ist ein furchtbarer Verlust“. In einer Traueranzeige des Unternehmens wurde die Kollegin verabschiedet. „Wir haben Frau B. sowohl als Mensch als auch als Kollegin und Mitarbeiterin stets sehr geschätzt“, heißt es darin. „Ihr Verlust hat uns alle getroffen.“

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