München – Nach dem Missbrauchsgutachten des Münchner Erzbistums steht dem Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks eine außergewöhnliche Sitzung bevor. Der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums, Prälat Lorenz Wolf, will sich heute erstmals zu den Vorwürfen des Gutachtens persönlich äußern.
Wolf ist als Offizial oberster Kirchenrichter im Erzbistum und zudem Leiter des Katholischen Büros in Bayern – der Verbindungsstelle zur Politik. Im BR-Rundfunkrat vertritt er die katholische Kirche und ist seit 2014 Vorsitzender. Nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie vor zwei Wochen lässt er diesen Vorsitz und seine Kirchenämter ruhen, ohne aber zurückzutreten. Wolf will sich heute in nicht öffentlicher Sitzung dazu äußern, „warum ich bisher so gehandelt habe“. Darüber hinaus werde er eine Stellungnahme zu den Vorwürfen aus dem Gutachten erarbeiten. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung sei offen. Kardinal Reinhard Marx drängt derweil auf eine zeitnahe Stellungnahme von Wolf zu den Vorwürfen des Gutachtens.
Zur Abwahl braucht es im Rundfunkrat eine Zweidrittel-Mehrheit. Ein entsprechender Antrag dazu soll nicht vorliegen. Wolf scheidet Ende April turnusgemäß aus dem Amt. Den Plan, in den Verwaltungsrat zu wechseln, hat er aufgegeben. Dessen Chefin, Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU), kündigte ein Gespräch mit Wolf an. Sie sei verstört über Passagen im Gutachten. „Ich habe ihn so nicht erlebt.“ lby/cm