Fürth – Die Fassade des Hauses ist schwarz vom Ruß, die Fenster sind gesprungen, die Tür provisorisch mit Brettern zugenagelt. Davor ein weißer Kastenwagen, eingequetscht zwischen einem demolierten Sattelauflieger und anderen Autos. Trümmerteile und Glassplitter liegen überall herum. Bewohnerinnen und Bewohner der Straße in Fürth stehen am Mittwoch schockiert dazwischen und können noch immer nicht glauben, welche Verwüstung der betrunkene Fahrer des Sattelzugs am Abend zuvor angerichtet hat.
„Es sieht aus wie nach einem Krieg“, sagt Canan Bozdogan. Die junge Frau war am Dienstagabend gerade dabei, Abendessen für ihre beiden Kinder vorzubereiten, als sie einen lauten Knall hörte. Als sie aus dem Küchenfenster blickte, sah sie einen Lastwagen, der wie außer Kontrolle mit 26 Tonnen Stahlteilen auf der Ladefläche die Straße herunter donnerte, gegen parkende Autos krachte und diese vor sich her gegen Hauswände schob.
„Funken sprühten, dann ging alles in Flammen auf“, berichtet Bozdogan. Drei Verletzte, 34 beschädigte Autos, ein Haus vorerst unbewohnbar – so lautet die Bilanz der Polizei am Ende der Irrfahrt.
Die Beamten nahmen den 50-jährigen Fahrer fest. Er wurde einem Ermittlungsrichter vorgeführt. Ob der Untersuchungshaft anordnen wird, stand zunächst nicht fest. Ein Atemalkoholtest hatte laut Polizei einen Wert von rund zwei Promille ergeben, sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei legte sich bereits gestern auf einen Unfall als Ursache für die Verwüstung fest. Ein Terrorakt könne ausgeschlossen werden. Um die Höhe des Sachschadens zu beurteilen, sind Gutachter im Einsatz. Doch schon gestern war klar: Mehrere Hunderttausend Euro dürften es mindestens sein. Sollte die Statik eines der Häuser so stark in Mitleidenschaft gezogen worden sein, dass es abgerissen werden muss, dürfte die Schadenshöhe schnell in die Millionen klettern. Am Mittwoch waren noch mehr Fragen offen, als beantwortet werden konnten: Wieso raste der Fahrer erst über eine rote Ampel, stieß mit einem Auto zusammen und fuhr dann einfach weiter die Straße hinunter? War er wegen seines Alkoholpegels unzurechnungsfähig? Gab es einen technischen Defekt? Die Polizei ermittelt gegen den Mann wegen Körperverletzung, Unfallflucht und fahrlässiger Brandstiftung.
Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) spricht von einem Wunder, dass es keine Toten gegeben habe. Er fordert Konsequenzen aus dem Vorfall. „Man muss sich wirklich Gedanken machen, wie das mit Lkw-Gefahren in großstädtischen Wohngebieten ausschaut. Aber das ist keine Sache, die die Stadt Fürth entscheiden kann.“ lby