Der Traum von der Solarautobahn

von Redaktion

VON DIRK WALTER

München/Germering – Das baden-württembergische Verkehrsministerium hat angekündigt, Flächen entlang von Bundes- und Landesstraßen für Photovoltaik-Anlagen zur Verfügung zu stellen. Die Idee ist nicht neu – auch in Bayern fragen Gemeinden verstärkt nach, ob sie Flächen an der Autobahn für Solarprojekte nutzen können. Bisher gibt es das nur vereinzelt, etwa an der Salzburger Autobahn A 8 bei Unterhaching. Derzeit ist es die Gemeinde Kirchheim (Kreis München), die an der A 99 Solaranlagen errichten will. Ein Gespräch mit dem Bürgermeister ist geplant. Doch große Hoffnungen will die Autobahn GmbH des Bundes nicht befeuern. Oft erhalten die Gemeinden eine Ablehnung.

Auch wenn es wohl Hunderte von Autobahnkilometern mit Lärmschutzwänden und -wällen gibt: „Die Flächen sind in Wahrheit sehr begrenzt, oft bereits mit einer anderen Nutzung belegt“, sagt Josef Seebacher, Sprecher der Autobahn GmbH für Südbayern. Bei den meist nur spärlich bepflanzten Wällen etwa handelt es sich um Magerrasen, die als Ausgleichsflächen definiert sind. Das heißt: Die Autobahnbehörde muss für jeden Meter Straße, den sie irgendwo baut, einen ökologischen Ausgleich schaffen. Die „ökologisch höherwertigen“ Flächen sollen die Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft „ausgleichen“ und sind „dauerhaft zu sichern und zu erhalten“, heißt es dazu beim Landesamt für Umwelt. Sie mit Solarflächen zu versiegeln sei nicht möglich.

Solarpanele an Lärmschutzwänden sind auch kaum möglich. Oft sprechen statische Gründe dagegen, sagt Seebacher. Zudem verringern Photovoltaik-Anlagen den Lärmschutz, da sie den Lärm reflektieren, nicht schlucken. Noch ein Problem: die Sonneneinstrahlung. Im Regelfall kommen für Photovoltaik nur Autobahnen in Ost-West-Richtung infrage.

Ganz untätig will die Behörde aber nicht bleiben. „Die Autobahn Südbayern überlegt intensiv, ob sie an geeigneten Stellen durch eigene Photovoltaik-Anlagen den nicht unerheblichen eigenen Stromverbrauch – vor allem der Tunnel – zumindest teilweise decken kann.“ Konkret geplant wird das zunächst für den halbseitig offenen Tunnel („Galerie“) an der Lindauer Autobahn A 96 bei Germering. Dafür hat die GmbH nun die Stelle eines „Technikers im Fachbereich Photovoltaik“ ausgeschrieben: Er soll die Anlage planen, die Ausschreibungen vorantreiben und Bau sowie Inbetriebnahme managen. Vorstöße der Stadt Germering, die die Flächen gerne selber für Solarprojekte genutzt hätte, hatte die Behörde zuvor abtropfen lassen. Auch die A 96-Galerie im benachbarten Gilching soll mit einer Solarfläche bedacht werden – im Moment sind beide Galerien mit Kies zugeschüttet.

Eher skeptisch betrachten die südbayerischen Autobahn-Planer indes Pilotprojekte wie sie etwa in der Schweiz und an der A 81 Stuttgart-Singen (bei Hegau) geplant sind: Solardächer über der Fahrbahn. „Das sehen wir eher kritisch, da dies rechtlich dann voraussichtlich als Tunnel mit allen dann erforderlichen Sicherheitseinrichtungen eingestuft würde“, sagt Seebacher. Es gebe auch Statik-Probleme – etwa bei Schneelast. In der Schweiz im Wallis tüfelt das Unternehmen Servipier daran, einen 1,6 Kilometer langen Autobahnabschnitt der A 6 bei Fully mit Solarzellen zu überdachen. Bisher scheitert das an der Finanzierung.

Deutschlands erstes Solar-Dach über einer Autobahn bei Hegau, das im vergangenen Jahr vom Bundesverkehrsministerium angekündigt wurde, dürfte aus diesem Grund auch eher klein werden: Die Dachfläche soll gerade einmal 17 Meter Autobahn überspannen.

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