Eltern müssen Lehrer vertreten

von Redaktion

Absoluter Notstand in einer Grundschule im Kreis München

Höhenkirchen – Die Situation an den bayerischen Schulen ist derzeit alarmierend: Wegen akuten Lehrermangel sitzen immer mehr Kinder wieder zu Hause im Distanzunterricht. Brigitte Gruber, Rektorin der Sigoho-Marchwart-Grundschule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn (Kreis Höhenkirchen), arbeitet deshalb in ihrer Not mit Eltern als Ersatzlehrern.

Brigitte Gruber versucht mit allen Mitteln zu verhindern, zwei Klassen aufgrund fehlender Lehrer in den Distanzunterricht schicken zu müssen. Drei Lehrkräfte fallen coronabedingt aus, eine Klasse konnte sie mit dem eigenen Kollegium auffangen.

Seit Monaten arbeiten alle am Limit, „mehr geht nicht“. Unterstützung von einer Ersatzlehrkraft aus der mobilen Reserve des Schulamtes München-Land gibt es derzeit nicht – der Pool ist ausgeschöpft.

Ihre letzte Chance sah Rektorin Gruber bei den Eltern. Zwei hätten bereits zu Schulanfang ihre Hilfe zugesichert, ein Vater ist nun seit dieser Woche im Einsatz. „Am Freitag habe ich ihn angerufen, er brauchte zehn Minuten, um in seiner eigenen Firma die Aufgaben an die Mitarbeiter zu verteilen. Am Montag stand er parat.“

Brigitte Gruber erarbeitete währenddessen einen Plan: In der ersten Stunde werden die Klassen 4b und c von ihren Klassenlehrern unterrichtet, die 4a arbeitet solange in sogenannter Stillarbeit an Mathe-Arbeitsblättern. Der Vater führt die Aufsicht. In der zweiten Stunde rotiert er in die 4b, dann macht diese Klasse Stillarbeit. „Ein Aufwand, aber die Alternative ist Distanzunterricht“, so Gruber. Das Schulamt weiß Bescheid, „alles ist abgesprochen und genehmigt“.

In der Grundschule Aschheim hingegen mussten zwei Klassen vergangene Woche in den Distanzunterricht (wir berichteten). Auch hier fehlen Lehrer. SABINA BROSCH

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