„Das C ist die Seele der CSU“

von Redaktion

München – „Eine CSU, die das C in ihrem Namen aufgibt, gibt sich selber auf.“ Peter Gauweiler, eigensinniges Urgestein der CSU, hat ein flammendes Plädoyer für den Erhalt des Wortes Christlich in der Christlich Sozialen Union gehalten. Auf einer Internet-Diskussion des CSU-Kreisverbands war er sich am Montagabend mit dem früheren Bundestagsvizepräsidenten Johannes Singhammer und dem Landtagsabgeordneten Robert Brannekämper einig, dass nur eine Wiederbelebung der christlichen Werte die Partei wieder zu alter Stärke zurückführen könne.

Auslöser für die Debatte war eine Studie im Auftrag der CDU-Bundesgeschäftsstelle, die sich mit der Zukunft der Partei und dem Partei-Namen befasst hatte. CSU-Parteichef Markus Söder hatte kürzlich bereits allen Debatten um das C im Parteinamen eine klare Absage erteilt.

Die CDU habe bei der Bundestagswahl nicht verloren, weil sie ihre innere Ordnung verloren habe, sondern weil sie ihr Programm aufgeweicht und formlos geworden sei, sagte Gauweiler. Die Menschen hätten gemerkt, „dass wir nicht mehr hinter unserer Botschaft stehen, jedenfalls die Führenden, die für uns aufgetreten sind“. Deswegen sei eine Reform dringend notwendig und die gelinge nur durch die Aufwertung des Christlichen, nicht durch die Abschaffung.

Gauweiler zeigte sich verwundert, dass eine Kommission, die vom CDU-Generalsekretär eingesetzt worden sei, sich überhaupt traue, Forderung nach einer Streichung des C zu erheben – „genauso gut könnten sie posthum den Ausschluss von Konrad Adenauer beantragen“. Die eigentliche Nachricht sei, dass die Überlegung, das C zu streichen, nicht zu einem Aufschrei geführt habe. Das sei ein „Multiorganversagen aller Parteigremien“. Die CSU sei der verlängerte Arm des christlichen Bewusstseins ins Politische hinein. Das heiße nicht, dass es nicht andere Anschauungen geben dürfe – aber deshalb dürfe die CSU ihre Überzeugungen wie etwa ihren Familienbegriff nicht aufgeben. Wenn Agenturen meinten, das komme zurzeit nicht an, „dann müssen wir mit Argumentation und geistiger Frische dafür sorgen, dass es wieder ankommt“.

In Zeiten, in denen vieles in Bewegung und manches ins Wanken geraten sei, erwarteten die Menschen Orientierung, betonte auch der frühere Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer. Die großen christlichen Konfessionen verlören seit Jahren Mitglieder, die katholische Kirche habe durch das Gutachten über die „abscheulichen Missbrauchsfälle“ in besonderer Weise eine enorme Erschütterung erfahren. Es gebe nun die Ratschläge an die Union, sich von den Kirchen zu distanzieren oder im Zuge der Zeit das C ganz zu streichen. Die CSU solle die Beißhemmung gegenüber den Kirchen aufgeben und mitmachen, die Konkordatsverträge aufzukündigen. Die Ehe solle als Verantwortungsgemeinschaft definiert werden, „wo sich jeder wie aus dem Regal eines Supermarktes seine Art von Verantwortungsgemeinschaft zusammenstellen kann“. Singhammer nennt das alles zusammen einen „geradezu teuflischen Vorschlag“.

Wenn man die eigenen Wurzeln ausreiße, sei es klar, dass es dann kein Wachstum mehr gebe. Die Verantwortung vor Gott und den Menschen sei in der Präambel des Grundgesetzes festgeschrieben. „Würde man das C jetzt in die Sakristei zurückdrängen, hätte auch die Präambel nicht mehr ihre Wirkkraft.“ Die Folgen wären schnell zu spüren: Das C sei eine Brandmauer gegen jede Art von Extremismus wie völkischen Nationalismus, fundamentalistischen Islam, aber auch gegenüber einer Allmacht der Politik. „Das C ist die Aufforderung zur Demut für alle, die Politik gestalten“, so Singhammer. Die CSU wolle die Partnerschaft mit den christlichen Kirchen und Gemeinschaften erhalten, die sich über Jahrhunderte entwickelt habe. „Für uns als CSU ist das C mehr als ein Haltegriff, wo man sich in schweren Zeiten festhalten kann, sondern die Orientierung, die uns trägt.“ Letztlich sei das C die Seele, die DNA der Union. Es gelte nun zu prüfen, wie man das C zeitgemäß gestalten könne. Peter Gauweiler regte an, dass die CSU einen Familienkongress veranstalten solle.

Sowohl Gauweiler als auch Singhammer empörten sich über das Missbrauchsgutachten der Kanzlei Westpfhal Spilker Wastl, das Papst Benedikt XVI. wegen Fehlern im Umgang mit Missbrauchsfällen kritisiert hatte. Benedikt sei derjenige gewesen, der als Papst die Aufklärung der Missbrauchsfälle als strukturelle Herausforderung entscheidend vorangebracht habe. CLAUDIA MÖLLERS

Artikel 7 von 10