Sturm „Ylenia“ legt Verkehr lahm

von Redaktion

München – Der morgendliche Gang zum Auto endete für einen 36-jährigen Mann aus Germering im Kreis Fürstenfeldbruck mit einem tragischen Unfall. Der Mann wollte wohl gerade in sein Auto einsteigen, als ein vom Sturm ins Wanken gebrachter Baum auf ihn und sein Fahrzeug stürzte. Der 36-Jährige wurde dabei schwer verletzt, die alarmierten Rettungskräfte brachten ihn in eine Klinik. Erst später konnte die Polizei vorsichtig Entwarnung geben – der Mann ist außer Lebensgefahr.

Mit einem Tempo von bis zu 150 Stundenkilometern (gemessen am Großen Arber im Bayerischen Wald) peitschte Sturmtief „Ylenia“ gestern durch Bayern. Den Norden des Freistaats traf es am stärksten, doch auch in Oberbayern wurden hohe Windgeschwindigkeiten erreicht. Am Chiemsee registrierte der Deutsche Wetterdienst gegen Mittag Windböen mit 106 Stundenkilometern. Für die Feuerwehren bedeutete das hunderte von Einsätzen, vor allem wegen umgestürzter Bäume oder Schäden an Gebäudedächern. Zwar blieb es größtenteils bei Sach- und Blechschäden, doch für die Retter war es vielerorts eine schlaflose Nacht. Zahlreiche Straßen mussten gesperrt werden, bis sie von den umgestürzten Bäumen befreit werden konnten.

In tausenden Haushalten fiel zwischenzeitlich der Strom aus. Allein der größte Stromnetzbetreiber des Freistaats, Bayernwerk Netz, verzeichnete am Donnerstagmorgen 10 000 Betroffene. Zoos, Parks und Friedhöfe wurden teilweise aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Viel Geduld mussten Pendler aufbringen, deren Züge wegen des Sturms nicht wie geplant fuhren. Monika Mate aus Erdweg im Kreis Dachau zum Beispiel. Sie saß gestern morgen gegen 7 Uhr in der S2 in Richtung München, als zwischen den Haltestellen Bachern und Dachau Stadt „mit einem Krachen“ die Spitze einer Tanne aufs Gleis kippte. Der Lokführer habe sofort mit einer Schnellbremsung reagiert, berichtet Mate. Die Fahrgäste mussten aus der S-Bahn evakuiert werden – doch es dauerte rund eineinhalb Stunden, bis die Passagiere den Zug verlassen konnten. Am Ende brachte ein Taxi Monika Mate wieder zurück nach Hause, von wo aus sie zweieinhalb Stunden zuvor gestartet war.

Bäume im Gleis, diese Meldung kam gestern nicht nur aus dem Landkreis Dachau. Gleich eine ganze Reihe von Streckensperrungen verursachte Sturmtief „Ylenia“ im S-Bahn- und Regionalverkehr. Länger zogen sich die Aufräumarbeiten auf der Strecke der S4 hin. Zwischen Puchheim und Fürstenfeldbruck war ebenfalls ein Baum in die Oberleitung gestürzt, dabei wurde auch ein Mast beschädigt. Die Reparaturarbeiten auf der Strecke dauerten gestern Abend noch an, ebenso bei der S2 nach Altomünster. Ein Bahnsprecher zeigte sich aber zuversichtlich, das auf beiden Linien die Arbeiten noch am Abend abgeschlossen werden.

Am Flughafen München mussten vereinzelt Flüge abgesagt werden. Zahlreiche Bergbahnen stellten wegen der Sturmböen den Betrieb vorübergehend ein.

In Nordbayern fiel in mehreren Schulen wegen des Sturms der Unterricht aus. In insgesamt 16 Landkreisen und Städten in Oberfranken, Unterfranken und der Oberpfalz fand kein regulärer Unterricht statt. Kultusminister Michael Piazolo (FW) kündigte an, dass es auch am heutigen Freitag noch zu Schulausfällen kommen könne, wenn es die Wetterlage erfordere.

Die Meteorologen geben für heute noch keine Entwarnung. Zwar flaut der Wind am Vormittag etwas ab. Doch ab dem Nachmittag und in der Nacht zum Samstag werden auch in Oberbayern wieder schwere Sturmböen von mehr als 80 Stundenkilometern erwartet, in den Bergen Orkanböen mit bis zu 120 Stundenkilometern. dg/tog/zim

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