Weltpolitik mit weiß-blauen Nuancen

von Redaktion

VON LEONIE HUDELMAIER

Traunstein – Wer Parteifreunde nach Bärbel Kofler (SPD) fragt, bekommt ein ungenaues Bild. „Fleißig, freundlich, beliebt“, sei sie, heißt es, aber auch „irgendwie unauffällig“. Zumindest Letzteres könnte sich in den kommenden Jahren ändern: Kofler, 54, aus Traunstein ist in der Ampel-Regierung zur Staatssekretärin aufgestiegen. Sie hat jetzt zwei Einsatzfelder: Weltpolitik im Entwicklungsministerium machen – und in Berlin die Oberbayern vertreten, die sonst in der Regierungsriege zu kurz kommen. Ihr Job ist jetzt also: doppelt auffallen, doppelt präsent sein.

Kofler selbst mag sich auf die Rolle als Quoten-Bayerin nicht festlegen lassen, schon gar nicht auf das Narrativ, nur die CSU vertrete den Freistaat. „Ich habe ein anderes Verständnis von unserem Miteinander in Deutschland. Es ist nicht immer von Vorteil, wenn man mit einer Art und Weise auftritt, die sagt: Mich interessiert eigentlich nur, was in Bayern passiert.“

Verwurzelt ist sie im Süden: in Freilassing geboren, in Rosenheim Informatik studiert, in Salzburg Sprachwissenschaften, Russisch und Spanisch und im Berchtesgadener Land Einstieg in die Politik als Kassiererin der Jusos.

Im Blick hat sie aber immer die Weltpolitik. Seit 2016 war die Abgeordnete aus dem Wahlkreis Traunstein die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, angesiedelt im Auswärtigen Amt. Nun Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungsministerium von Svenja Schulze (SPD). „Die Themen, die die Entwicklungspolitik bearbeitet, sind langfristigere und strukturellere Fragestellungen. Während man bei der Not- und Übergangshilfe und bei der humanitären Hilfe mit dem unmittelbaren Notgeschehen zu tun hat“, erklärt Kofler. Das heißt, die 54-Jährige nimmt sich der großen Probleme der Welt an. Im Fokus ist dabei stets das globale Miteinander, denn „so, wie es bei der Pandemie gilt, dass wir sie nur als Weltgemeinschaft überwinden können, so gilt es auch für globale Herausforderungen wie der Klimafrage und der Bekämpfung menschenunwürdiger Arbeit“, erläutert Kofler. Deswegen arbeitet das Ministerium auch mit Partnerländern auf der ganzen Welt zusammen.

Ihr Herzensthema: Lieferketten. Damit einher geht „die Frage, wie man entlang von Investitionen, Handelsströmen und Lieferketten menschenwürdige Arbeit organisiert“, erklärt Kofler. Das ganze Ministerium verfolge zudem eine feministische Entwicklungspolitik. Denn positive Entwicklung gehe nur, wenn Frauen überall gleichberechtigt werden.

Mancher hatte Kofler noch in den Koalitionsverhandlungen als Ministerin gehandelt. Jetzt „nur“ Staatssekretärin? Als das Angebot kam, hat sie sich aber sehr gefreut, nicht lange gefackelt und zugesagt. Im Gespräch erlebt man eine routinierte Politikerin, aus der die Worte schnell, aber bedacht sprudeln. Eben eine Routine, die sich Kofler als Bundestagsabgeordnete seit 2004 angeeignet hat.

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