Olching – Rentner Harald Z. (Name geändert) trägt eine graue Jacke, Vollbart und eine Brille. Er sitzt auf der Anklagebank, auf seinen Knien ein Notizblock, und schreibt akribisch mit. Sein griesgrämiger Blick fällt nur auf die Notizen, nicht zu seiner Frau, die neben ihrer Anwältin auf dem Zeugenplatz sitzt. Dort schildert die 60-Jährige eine schreckliche Geschichte. Die Geschichte von der Affäre ihres Mannes – und wie er versuchte, sie wegen dieser Affäre umzubringen.
Der Rentner aus Olching (Kreis Fürstenfeldbruck) sitzt seit dem Vorfall am 17. Juni 2021 in U-Haft in Stadelheim. Seit gestern muss er sich wegen versuchten Mordes und vorsätzlicher Körperverletzung an seiner Ehefrau vor dem Landgericht München II verantworten. Zu Prozessauftakt äußerte er sich nicht. Seine Verteidiger wollen im Laufe des Verfahrens eine Erklärung abgeben. Ihr Mann schweigt. So hat gleich zu Beginn seine Frau das Wort. Sie berichtet, dass der 66-Jährige im Frühjahr einer 45-jährigen Bekannten sehr oft Nachhilfe für anstehende Prüfungen gegeben habe. Als sie ihn fragte, ob er etwas mit der Nachhilfeschülerin habe, verneinte er. Sie sei „gar nicht sein Typ“, er liebe nur seine Frau. „Ich dummes Schaf habe ihm das geglaubt“, sagt sie.
Als sie jedoch immer mehr Verdacht schöpfte, schrieb sie ihm einen Brief mit ihren Vermutungen. Da platzte es aus dem Rentner heraus: „Er sagte, er liebt diese Frau so sehr, wie er noch nie eine Frau geliebt hat.“ Er wollte die Scheidung. „Ich war fertig mit den Nerven“, berichtet die Olchingerin. Sie fuhr kurz weg. Als sie zurückkam, nahm ihr Mann sie in den Arm und sagte, dass er sich für sie entschieden habe. Er wolle aber erst in zwei Wochen mit der Affäre Schluss machen, wenn sie ihre Prüfungen absolviert habe. Die Frau willigte ein.
In Wirklichkeit war es keineswegs vorbei mit der 45-jährigen Nebenbuhlerin. Nach dem Mordversuch las die Ehefrau die Tagebücher ihres Mannes. „Er hat mich nach Strich und Faden belogen und betrogen.“ In den Büchern stellte er sich die Frage, wann seine Frau endlich sterbe und bat Gott, etwas zu unternehmen, damit er frei sein und mit seiner Freundin in die Doppelhaushälfte ziehen kann. Der Abend vor der Tat in der Nacht auf den 17. Juni sei schön und harmonisch gewesen, schildert die 60-Jährige. Sie seien spazieren gegangen, hätten einen Krimi geschaut und ihr Abendgebet gesprochen. In der Nacht sei sie dann plötzlich aufgewacht, weil das Ganglicht anging. Ihr Mann sei mit einem Couch-Kissen über ihr gewesen und habe zugedrückt. Sie wehrte sich heftig und fragte: „Was habe ich dir getan?“ Daraufhin drückte er ihr Mund und Nase zu. „Ich habe mit Händen und Füßen um mein Leben gekämpft.“ Sie dachte, sie sterbe jetzt. „Seine Augen waren so satanisch wie ich noch nie jemanden habe schauen sehen. Da war das Böse in den Augen.“ Der Mann schlug sie ins Gesicht. Dann konnte die Frau ins Bad flüchten. Ihr Mann habe derweil im Schlafzimmer gesagt: „So, jetzt bin ich wieder runtergekommen.“
Die Olchingerin ist davon überzeugt, dass ihr Mann „von Satan besessen war“. Die beiden haben zwei erwachsene Kinder und hatten immer große Stücke auf ihre Ehe gehalten. „Ich war der Meinung, dass es für uns weitergeht.“ Dieser Meinung sei sie auch jetzt noch. Der Prozess dauert an. NINA GUT