Pähl – Korbinian schielt interessiert auf die frischen Krapfen, während die Kuckucksuhr schlägt. Es ist 10 Uhr vormittags. Ein hölzerner Jesus, Fotos von Familie, Babys und Blasmusik, Geweihe und Geburtstafeln schmücken die Wände des Wohnzimmers. Geschützt von einem Holzdach im alpenländischen Baustil lebt die sechsköpfige Familie Pentenrieder in Fischen am Ammersee.
Der pausbackige Einjährige sitzt zufrieden auf dem Schoß seines Papas Benedikt Pentenrieder und genießt den ersten Biss ins Hefegebäck. Aufgeweckt beobachtet er das Vormittagsgeschehen. Sein kleiner Bruder Konstantin schlummert selig in seinem Bettchen – er ist nur elf Monate jünger.
„Der Kleinste ist gleich großer Bruder geworden“, sagt Vater Pentenrieder über Korbinian. Für die Mutter war das eine enorme körperliche Belastung. „Erst mal war das nicht cool“, erinnert sich Tanja Pentenrieder. „Von der einen Schwangerschaft war noch gar nicht alles wieder zurückgebildet, da kam schon die nächste.“ Hochschwanger war es eine große Anstrengung, sich um den neugeborenen Korbinian zu kümmern. „Ich hatte Angst“, sagt die zierliche 40-Jährige und streicht Korbinian liebevoll über die Wange, „alle anderen haben sich gefreut.“
Weder Korbinians noch Konstantins Geburt hatte das Ehepaar geplant. In der Silvesternacht 2019/20 verliebten sich Benedikt und Tanja, danach ging alles ganz schnell: Baubeginn des Hauses im März 2020, Geburt von Korbinian am 20. Januar 2021, Geburt von Konstantin am 28. Dezember 2021.
Dabei war das Paar schon vor der Geburt der beiden Buben nicht allein. Mit Laura (9) und Florian (6) hat Tanja Pentenrieder bereits zwei Kinder aus erster Ehe mitgebracht. Kein Problem für die beiden. „Es hat gar nicht lange gedauert, da haben die Kinder schon Papa zu mir gesagt“, sagt Benedikt Pentenrieder. Der kernige Haustechniker mit Hut und goldenem Kreuz um den Hals wirkt zufrieden mit seiner Familiensituation. Ein Stockwerk unter ihnen wohnen Oma und Opa des Nachwuchses, darunter Tante und Onkel. Ein Mehrgenerationen-Idyll. Auch Tanja Pentenrieder ist fest verwurzelt hier in Fischen am Ammersee, einem Ortsteil der Gemeinde Pähl. „Ich muss nicht weg hier“, sagt sie und ist froh darüber, dass ihr die Angehörigen im Haus zumindest manchmal unter die Arme greifen können. Die meiste Alltagsarbeit bleibt dennoch an der Mutter hängen. Wer kann in der Familie nachts durchschlafen? „Der Papa, sonst niemand“, sagt Tanja Pentenrieder schmunzelnd.
Ihr 13 Jahre jüngerer Ehemann ist dankbar für ihren aufopfernden Einsatz: „Ich muss schon sagen: Hut ab! Tanja ist eigentlich immer allein daheim – das ist schon brutal.“ Er ist den ganzen Tag als Elektrotechniker unterwegs, sie kümmert sich um Kinder und Haushalt. Zwei Monate Elternzeit nahm er sich nach Korbinians Geburt – doch Zeit für die Familie bedeutet auch weniger Geld. Und die Pentenrieders haben ein Haus abzubezahlen. „Elternzeit heißt: Du bist daheim und kriegst nur die Hälfte vom Lohn“, beschreibt Benedikt Pentenrieder die Lage. Auch seine Frau will ihre Beschäftigung als Altenpflegerin im Nachtdienst so bald wie möglich wieder aufnehmen. Aus finanziellen Gründen. Und für einen Tapetenwechsel. Zumindest ein paar Nächte im Monat.
Nach einem turbulenten Jahr 2021 soll nun alles wieder normaler werden. Die neunjährige Laura kümmert sich schon rührend um Korbinian. Und der würde am liebsten schon mit seinem kleinen Bruder herumtoben. Immer mehr verwandelt sich Familienstress in Harmonie. „Nur wenn der Kleine die Flasche kriegt, wird Korbinian eifersüchtig“, sagt Tanja Pentenrieder.
Die körperlichen Strapazen der beiden Schwangerschaften hat sie gut überstanden. Jetzt kann die vierfache Mutter auch die Vorteile daran sehen, dass die jüngsten Brüder fast gleich alt sind. Wenn sie etwa schöne Babykleidung sieht, lohnt sich der Kauf auf jeden Fall: „Ich brauche es ja gleich zwei Mal.“
Auch das Haus ist bald fertig. Fast alles daran ist aus Holz. Die beiden Kleinen sollen hier eine sorgenfreie Jugend verbringen. Im Garten steht ein Traktor, vor dem Haus ein großer SUV. Bewacht wird das Familienglück von einem Holzstorch. Nach dem anstrengenden Jahr kann er sich jetzt bei Familie Pentenrieder ausruhen.