München – In Schäftlarn (Kreis München) sind am Sonntagabend die ersten Geflüchteten aus der Ukraine angekommen. Die Gemeinde pflegt seit vielen Jahren eine Städtefreundschaft mit der Stadt Pidkamin im Westen der Ukraine. Zwei Familien, insgesamt 17 Personen – darunter auch Kinder und ein Baby – hatten sich mit dem Auto auf den Weg zu ihren Bekannten nach Oberbayern gemacht. Vor der Grenze zu Polen standen sie 20 Stunden im Stau. Während sie Grenze für Grenze hinter sich brachten, liefen in Schäftlarn die Vorbereitungen. Die Feuerwehr organisierte Verpflegung, viele Freiwillige halfen mit, im Gerätehaus wurden Feldbetten aufgebaut, die DLRG richtete eine Corona-Teststation für die Geflüchteten ein. Als die ersten Geflüchteten eintrafen, stand alles für sie bereit. Der Schäftlarner Bürgermeister Christian Fürst rechnet mit vielen weiteren Kriegsflüchtlingen.
Nahezu alle Kommunen in Bayern bereiten sich gerade darauf vor. Die Europäische Union rechnet mit mehreren hunderttausend Geflüchteten aus der Ukraine. In den staatlichen Flüchtlingsunterkünften seien noch Kapazitäten frei, berichtet das Innenministerium. Wie viele Plätze das sind, werde gerade geprüft. Innenminister Joachim Herrmann schloss nicht aus, dass auch wieder Turnhallen zu Unterkünften umfunktioniert werden könnten. Herrmann bewertet die aktuelle Lage „ganz anders“ als 2015. Die Gefahr für die Ukrainer sei so eklatant, dass kaum jemand gegen eine Flüchtlingsaufnahme sein könne. Zudem lebten in Europa bereits viele ukrainischstämmige Menschen. In Bayern sind es derzeit knapp 30 000 Menschen – fast doppelt so viele Frauen wie Männer.
Viele bayerische Landkreise haben bereits Koordinierungsstäbe eingerichtet, um die Hilfsangebote der Bürger zu bündeln. Der Münchner Landrat Christoph Göbel (CSU) war einer der Ersten, die am Freitag die Bürger dazu aufriefen, geeignete Unterkunftsmöglichkeiten zu melden. Über das Wochenende seien mehrere hundert Angebote eingegangen, berichtet eine Sprecherin des Landratsamts. Teils auch aus umliegenden Landkreisen und weit darüber hinaus. „Die Bereitschaft der Bevölkerung, Hilfe zu leisten, ist enorm.“ Das ist nicht nur im Landkreis München so, sondern in vielen Regionen.
Wie viele Menschen nach Bayern flüchten werden, lasse sich laut Innenministerium noch nicht abschätzen. Das Vorgehen soll nach dem Treffen der EU-Innenminister am Donnerstag entschieden werden. Wahrscheinlich ist, dass Geflüchtete aus der Ukraine kein Asylverfahren durchlaufen müssen, sondern in der EU einen vorübergehenden Schutz für zunächst ein Jahr erhalten werden. kwo/sh/epd