Frühjahrsstart für Garten und Balkon

von Redaktion

VON CORNELIA SCHRAMM

Aidling – Die Radieschen und den Schnittsalat behält Magdalena Kühn genau im Blick. In ihrem Garten in Aidling im Kreis Garmisch-Partenkirchen hat sie schon angesät. „Auch, wenn es noch einmal schneien sollte, macht das nichts“, sagt die zweite Vorsitzende des Bezirksverbandes der Gartenbauvereine in Oberbayern. „Nur bei starken Minusgraden würde ich die Pflänzchen über Nacht mit Vlies abdecken. Das sollte am Tag aber wieder entfernt werden, damit sie Sonne abkriegen und nicht ersticken.“

Und auch drinnen starten bei Magdalena Kühn die Vorbereitungen für den Gemüsegarten – pünktlich zum meteorologischen Frühlingsbeginn: „Im März kann man anfangen, Paprika zu ziehen“, sagt die 54-Jährige. Ist der Samen in der Erde, stellt man den Topf ans Fensterbrett. Nachdem die Keimblätter gen Licht durch die Erde gebrochen sind, wachsen sie rasant. Dann wird „pikiert“. Man trennt die Keimlinge also, die bisher Wurzel an Wurzel um ihren Platz kämpfen mussten. Die kräftigsten kommen in eigene Töpfchen.

Dann macht sich Kühn ans Abhärten: „Tagsüber stelle ich die Pflänzchen raus in den Halbschatten. Abends hole ich sie wieder rein.“ Sind die Paprika aus dem Gröbsten raus, zieht sie Ende März Tomaten. Die brauchen zwar mehr Licht, keimen dann aber auch schneller. „Das ist wie Kindern beim Wachsen zuzusehen. Bloß, dass es etwas schneller geht“, sagt sie und lacht. „Es ist aber auch schön, diesen Prozess mit Kindern zu verfolgen. Dabei lernen sie, was hinter dem Gemüseanbau steckt.“ Zudem hält Kühn die Pflänzchen für schöne Geschenke. „Oder man tauscht einfach. Niemand will ja nur eine Gemüsesorte ernten.“

Kräuter, Schnittsalat, Radieschen, Paprika, Tomaten und Karotten – dafür braucht es nicht unbedingt einen riesigen Garten. „Das Wichtigste ist Licht“, sagt Kühn. „Ein Vorgarten am Hauseingang, eine Terrasse oder ein Balkon bieten sich auch als Flächen zur Selbstversorgung an.“ Salat ist zwar nicht so dekorativ wie Geranien, lässt sich aber die ganze Saison lang ernten. „Am besten wartet man nicht ab, bis das Beet komplett leer ist, sondern setzt immer wieder mit etwas frischer Erde nach“, so der Tipp der Expertin. Zudem rät sie, gerade auf kleinen Flächen in die Höhe zu denken. Buschtomaten etwa würden nicht so hoch wachsen, sodass sich dahinter noch Zuckererbsen und Stangenbohnen nach oben strecken könnten.

Aber nicht nur Balkon-, sondern auch Gartenbesitzer ringen um Platz. „Die Brennnessel muss man in Schach halten, sonst kommt man nicht hinterher“, sagt Kühn. Sie aber komplett zu entfernen, sei fast eine Sünde. Immerhin enthält sie mehr Eisen, Magnesium sowie Vitamin A und C als Kopfsalat. Kein Wunder also, dass die Brennnessel 2022 zur Heilpflanze des Jahres erklärt wurde.

„Brennnessel lässt sich gut in der Küche verarbeiten“, sagt Kühn. In der Pfanne mit Butter angeröstet wird sie zum Knuspertopping im Salat. Mit heißem Wasser schmeckt sie nicht nur als Tee, sondern auch als deftige Brühe mit etwas Butter und Salz. Man kann sie in Bierteig ausbacken und fein gehackt verleiht sie Spätzle, Knödel und Quiche eine spinatähnliche Note. „Bärlauch liegt als Salz-Zusatz schon länger im Trend, die Brennnessel könnte jetzt nachfolgen.“ Warum sie nicht schon viel öfter auf der Speisekarte steht? „Vielleicht haben viele noch zu viel Respekt, weil sie brennt“, vermutet Kühn, verrät aber einen Trick: „Wenn Sie mit dem Nudelholz drüber rollen, brechen die Brennhaare ab und tun nicht weh.“ Keine Panik also vor der Brennnessel, beteuert die Garten-Expertin zum Start der Saison. „Und bitte auch nicht vor dem kleinen Balkon.“

Leni Kühns Rezept für Grüne Semmeln:

Zwei Handvoll gehackte Brennnessel, Vogelmiere und Girsch in 250 Milliliter Milch pürieren. Mit 500 Gramm Mehl, einem Teelöffel Backpulver, einer Prise Salz und 100 Gramm weiche Butter zu einem geschmeidigen Teig verkneten. 20 Semmeln formen. Für 20 Minuten bei 220 Grad backen.

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