Das Erzbistum im Dialogformat

von Redaktion

VON CLAUDIA MÖLLERS

München – Die Fastenzeit ist auch eine Bußzeit in der katholischen Kirche. Büßen muss sie gerade sehr – für ihren skandalösen Umgang mit Missbrauchsfällen von Klerikern. Messen lässt sich das Entsetzen an den Kirchenaustrittszahlen (siehe Kasten). Am 20. Januar hatte die Veröffentlichung des zweiten Gutachtens zum Umgang mit Missbrauchstätern großen Wirbel ausgelöst. Eine Woche später hatte sich auch Kardinal Reinhard Marx zum Gutachten geäußert. Doch nach wie vor herrscht viel Gesprächsbedarf. Um in Corona-Zeiten den Kontakt zu den Mitarbeitern im Ordinariat und in den Kirchengemeinden nicht zu verlieren, hat das Ordinariat Zoom-Konferenzen veranstaltet: Der Kardinal, Generalvikar Christoph Klingan und Amtschefin Stephanie Herrmann standen Rede und Antwort. Eineinhalb Stunden dauerten die Dialogveranstaltungen. Und wie man hört, ging es da auch zur Sache.

Monsignore Walter Waldschütz, Leiter des Pfarrverbands Tegernsee-Egern-Kreuth, fand es eine gute Idee, das Gutachten und seine Folgen zu diskutieren. „Jeder, der wollte, bekam Informationen aus erster Hand. Aber man konnte auch seine Anliegen und Sorgen loswerden.“ Es sei ermutigend gewesen, die drei Personen in ihrer Betroffenheit und Entschlossenheit zu erleben. Doch die Betroffenheit ist das eine – für Waldschütz muss jetzt auch etwas folgen. „Wir können hier die Welt nicht verändern ohne Rom, aber es gibt doch Möglichkeiten, die wir vor Ort schnell entscheiden können: zum Beispiel die Predigterlaubnis für Frauen.“ Waldschütz war nicht der Einzige, der auf schnelle Änderungen drängt. So stellt sich auch die Frage, warum im Erzbistum München nicht – so wie im Bistum Würzburg – den Mitarbeitern versichert wird, dass sie wegen ihrer sexuellen Orientierung keine Entlassung zu befürchten haben. Auf Nachfrage erklärte Pressesprecher Christoph Kappes: „Die Erzdiözese setzt sich mit Nachdruck für eine zeitnahe Änderung der kirchlichen Grundordnung ein. Generalvikar Klingan arbeitet in einer von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzten Arbeitsgruppe mit, die sich dieser Thematik widmet.“ Es habe in der Erzdiözese in den vergangenen Jahren keine Kündigung aufgrund der sexuellen Orientierung oder des Beziehungslebens ihrer Mitarbeitenden gegeben. Waldschütz wünscht sich trotzdem Klarheit: „Wenn jetzt nicht Zeichen kommen, dann werden wir kein Stück Glaubwürdigkeit zurückgewinnen.“ Kardinal Marx verweist auf den Synodalen Weg. Er will hier keinen Vorstoß machen, sondern strebt die gemeinsame Lösung an.

„Sehr leicht möglich“ ist für Waldschütz der Diakonat der Frau. Marx sei einer der mächtigen Kardinäle mit Zugang zum Papst. „Da könnte man doch sagen, es muss bis Ostern eine neue Auferstehungserfahrung kommen.“ Marx sei sehr offen in den Gesprächen. „Aber es ist bis jetzt für uns noch nichts Sichtbares erfolgt.“ Bis Mitte April wünscht sich der Pfarrer „klare Perspektiven, damit Ostern ein Fest des Neubeginns wird“.

Hiltrud Schönheit vom Münchner Katholikenrat begrüßt grundsätzlich Zoomkonferenzen. Eine richtige Diskussion sei aber nur schwer möglich. Auch sie plädiert dafür, jetzt Neuerungen auf den Weg zu bringen: etwa das Taufen oder die Trauung durch Laien. Das erlaube auch das Kirchenrecht. Die Predigt von Frauen sei laut Kirchenrecht nicht erlaubt – werde aber geduldet. „Ob Laien predigen dürfen oder nicht, hängt deswegen von der Willkür des Pfarrers ab.“ In den Fragen, die ohne Kirchenrecht geklärt werden können, wünscht sie sich klare Worte des Kardinals. Dass er auf den Synodalen Weg verweise und nicht vorpreschen wolle, versteht sie. „Doch der Ansatz muss sein, auf dem Weg schon mal voranzugehen.“ Sie erinnert an die Ministrantinnen: Ihr Einsatz wurde in den Gemeinden „von unten“ praktiziert – und auf einmal offiziell bestätigt. „So denke ich mir das bei den Diakoninnen auch.“ Eigentlich müssten Bischöfe einfach anfangen, Diakoninnen zu weihen. Hier zeige sich, welche Vision ein Erzbischof für seine Diözese habe.

Am Freitag, 11. März, veranstaltet die Domberg-Akademie um 17 Uhr eine Zoom-Konferenz für Ehrenamtliche mit dem Diözesanrat der Katholiken. Der Generalvikar und die Amtschefin äußern sich zu „Kirche sein im Angesicht des Missbrauchsskandals“. Kritische Geister sind auch hier gefragt.

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