München – Peter Bauer, Bayerns Patienten- und Pflegebeauftragter der Staatsregierung, fordert mehr Maßnahmen, um die Bewohner in Pflegeheimen besser zu schützen. Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hatte nach dem Bekanntwerden eklatanter Missstände in einem Augsburger Heim eine Fünf-Punkte-Offensive angekündigt (wir berichteten). Unter anderem soll es ab Mitte März eine Pflege-SOS-Hotline geben, bei der Angehörige und Pflegekräfte (notfalls auch anonym) Pflegemängel melden können. „Das ist ein erster richtiger Schritt“, sagt Bauer. „Und schnell umsetzbar.“ Sein Vorschlag geht aber noch weiter. Bauer fordert seit Langem eine Ombudsstelle, an die sich Angehörige und Pflegekräfte wenden können. Er hält ein persönliches Gespräch für besser. Wichtig ist ihm aber vor allem, dass das Angebot niedrigschwellig ist.
Als Pflegebeauftragten würden ihm immer wieder Missstände gemeldet, berichtet er. „Oft geht es um mangelhafte Pflege wegen Personalmangels, um Hygieneprobleme, Grenzüberschreitungen oder falsche Medikamenteneingaben.“ Die Angst, diese Missstände anzusprechen, sei immer groß, betont Bauer. „Viele fürchten, dass ihre Angehörigen dann noch schlechter versorgt werden.“ Wer Angst hat, sich bei der Heimaufsicht zu melden, sollte vor Ort eine Kontaktstelle haben, an die er sich wenden kann, fordert er. Außerdem spricht sich Bauer für eine Reform der Kontrollen aus. Er schlägt eine Zusammenführung der Prüfungen von Heimaufsicht und Medizinischem Dienst vor. Auch dabei seien die Hinweise von Angehörigen und Pflegekräften aber wichtig. „So wissen die Prüfer, wo sie genau hinsehen müssen.“
Außerdem fordert Bauer mehr Transparenz bei den Ergebnissen der Prüfung. Bislang erfahren nicht mal die Heimbewohner, was bemängelt wurde. Bauer könnte sich Qualitätssiegel für Heime vorstellen. Nicht im Sinne der Pflegenoten, die es bis 2019 gab. Sie waren oft kritisiert worden, weil schlechte Bewertungen in der Pflege durch gute Bewertungen bei weniger wichtigen Kriterien wie baulichen Gegebenheiten ausgeglichen werden konnten. Bauer fordert, den Fokus der Prüfungen rein auf die Pflege zu legen. Außerdem spricht er sich für ein Werbeverbot mit Niedrig-Preisen bei Pflegeheimen aus. Das Augsburger Heim hatte auf seiner Internetseite hervorgehoben, eines der günstigsten zu sein. KATRIN WOITSCH