Im Zeichen des Kriegs: Bischöfe beraten

von Redaktion

Bad Staffelstein – In den vergangenen Wochen sind die Reformvorschläge für die katholische Kirche nur so gesprudelt: Diakonat für die Frau? Verheiratete Priester? Demokratische Bischofswahlen? Viel Gesprächsstoff eigentlich für die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Doch nun herrscht Krieg in der Ukraine.

Da kann sich eine Kirche, bei der es in jedem Gottesdienst „Der Friede sei mit Euch!“ heißt, nicht zuvorderst mit sich selbst beschäftigen. „Natürlich, die Ukraine als Priorität wird überall dabei sein“, sagte der Gastgeber, der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Die Bischöfe tagen von Montag an bis Donnerstag im oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen bei Bad Staffelstein.

Auch wenn sich keine Lösung abzeichnet und das Leid in der Ukraine wächst, müsse laut nach Frieden gerufen werden, betonte Schick. „Der Ruf, dass die Aggression gestoppt und alles getan werden muss, damit die russischen Truppen sich zurückziehen, muss bleiben. Man darf sich nicht durch momentane Erfolglosigkeit davon abhalten lassen, zu sagen und zu tun, was richtig ist.“

Innerkirchlich dürften die Reformvorschläge für Debatten sorgen. Längst nicht alle Bischöfe geben sich so progressiv wie Schick, der sich klar positioniert hat – für das Diakonat der Frau, für ein Nebeneinander von verheirateten und zölibatär lebenden Priestern. Und der eine Reform bei der Ernennung von Bischöfen fordert.

Katholische Reformverbände verlangten von den deutschen Bischöfen am Freitag nochmals den konsequenten Willen zur Veränderung. „Folgen Sie als Bischöfe und Weihbischöfe den wegweisenden Beschlüssen des Synodalen Weges“, sagte „Wir sind Kirche“-Sprecher Christian Weisner. Er wünsche den Bischöfen „Mut, Butter bei die Fische zu tun“.

Die Frühjahrsvollversammlung ist das erste Treffen der Bischöfe nach Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens. Erwartet wird bei der Vollversammlung auch der umstrittene Erzbischof von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki. Er war am Mittwoch nach fünfmonatiger Auszeit in sein Amt zurückgekehrt. Zwar hat er dem Papst seinen Rücktritt angeboten, doch eine Entscheidung steht noch aus. lby

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