München – In den Lagern des Roten Kreuzes häufen sich gerade die Säcke mit Altkleidern. „Die Betroffenheit ist riesengroß, jeder möchte jetzt helfen“, sagt BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi. Doch nicht immer ist gut gemeinte Hilfe auch wirklich sinnvoll. „Das Deutsche Rote Kreuz ist in engem Austausch mit dem ukrainischen Roten Kreuz“, berichtet er. In den Grenzregionen werden gerade weniger Kleidungsstücke gebraucht – sondern Feldbetten, Zelte, Isomatten, Taschenlampen oder Powerbanks, um Handys aufzuladen. Im schlimmsten Fall würden die falschen Sachspenden sogar Lagerkapazitäten binden oder Transportwege für die professionelle Hilfe einschränken, erklärt Taheri-Sohi. Er weiß von einigen Kreisverbänden, die die Öffentlichkeit bereits um einen Spenden-Stopp gebeten haben. Sie würden gerade mit Kleiderspenden regelrecht überrannt. „Grundsätzlich sind diese Angebote auch sehr wichtig – wenn die Menschen bei uns angekommen sind“, sagt Taheri-Sohi. „Wir werden dann explizit dazu aufrufen.“ Momentan sei die Koordination der vielen Spenden aber eine Herausforderung für die Helfer. Zumal etwa 80 Prozent der Kleiderspenden entsorgt werden müssten, weil sie für eine Weitergabe nicht geeignet seien.
Die bayerische Caritas berichtet ebenfalls, dass es gerade viele Sachspenden gibt, die den Kriegsflüchtlingen aktuell nicht helfen. „Die größte Hilfe sind gerade Geldspenden“, sagt Tobias Utters. Auch die Caritas arbeitet eng mit den ukrainischen Hilfsorganisationen zusammen. „Sie sagen uns ganz konkret, was sie brauchen.“
Das BRK hat am Dienstag einen 88 Tonnen schweren Hilfstransport zur Ukraine geschickt. In den Kartons waren 3280 Feldbetten, 4680 Isomatten und 750 Hygienepakete. Jedes dieser Hygienepakete versorgt eine fünfköpfige Familie für einen Monat, erklärt Taheri-Sohi. Auch Lebensmittel und Wasser werden in die Grenzregionen transportiert. Die Lebensmittel- und Medikamente-Spenden, die in Bayern von Privatleuten abgegeben werden, stellen die Hilfsorganisationen aber ebenfalls vor logistische Probleme, sagt Utters. „Wir müssen überall kontrollieren, wie lange sie haltbar sind – das können wir vor Ort gar nicht leisten.“ Die Caritas-Verbände in München und Freising hätten deshalb ebenfalls bereits um einen Spenden-Stopp gebeten.
Die Geldspenden könnten auch aus einem weiteren Grund noch wichtig werden, sagt Utters. „Für die Menschen, die hier ankommen, müssen wir Dolmetscher und wohl auch Therapeuten organisieren.“ Und die vielen Kleiderspenden würden eher hier als in den Grenzregionen gebraucht, betont er. „Die Menschen bleiben nicht lange in den Auffanglagern an der Grenze, sie reisen schnell weiter.“
Der Landes-Caritasverband richtet gemeinsam mit Staatsregierung und der Freien Wohlfahrtspflege eine Ukraine-Hotline ein. Sie soll Anlaufstelle sein für die Kriegsflüchtlinge, aber auch für alle, die helfen möchten. Erreichbar ist die Hotline von Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr unter der Nummer 089/54 49 71 99.
Neben den Hilfsorganisationen versucht auch das Innenministerium, die große Hilfs- und Spendenbereitschaft zu bündeln. Seit Freitag gibt es dafür die Internetseite www.ukraine-hilfe.de. Dort können Bürger ihre Hilfsangebote hinterlegen. Aktuell sind besonders Dolmetscher und Personen mit ukrainischen Sprachkenntnissen gefragt, die zum Beispiel bei Behördengängen unterstützen können. Auch Angebote für Wohnungen und Transportdienstleistungen können auf der Seite hochgeladen werden. Regierungen und Kommunen können dann bei Bedarf auf die Anbieter zukommen. KATRIN WOITSCH