Bad Staffelstein – Selbst bei Beerdigungen ist heute die Mitwirkung von Pfarrern oder anderen Seelsorgern nicht mehr selbstverständlich. Manche Hinterbliebene suchen bewusst weltliche Trauerredner für den letzten Abschied. Zugleich sind hauptamtliche Seelsorger immer schwerer zu erreichen, viele haben kaum noch Kontakt zu den Katholiken in ihrem Gebiet. Die Ursachen sind vielfältig: Gemeinden, die zu Großpfarreien fusionieren; Seelsorgeteams, deren Mitglieder nicht mehr regelmäßig an festen Orten zu finden sind; Pfarrbüros, in denen Telefonanrufe ins Leere laufen.
Und immer wieder ist unter Gläubigen die Klage zu hören, Seelsorger zeigten Beamtenmentalität. Wer sich nicht ihren von Gremiensitzungen bestimmten Terminkalendern, ihren Urlaubszeiten und Freizeitansprüchen anpasse, habe eben Pech gehabt. Selbst in Notlagen wie nach der Sommerflut im Westen Deutschlands oder beim einsamen Sterben tausender alter Menschen in Seniorenheimen im Lockdown hätten nur wenige Pfarrer und Pastoralreferenten sich dort blicken lassen, wo es nötig gewesen wäre. Und beim Synodalen Weg war unter den Eingaben zum Thema „Priesterliche Existenz“ die Klage über die mangelnde Nähe von Seelsorgern einer der meistgenannten Kritikpunkte.
Die deutschen Bischöfe scheinen erkannt zu haben, dass sich in diesem Kerngeschäft des kirchlichen Wirkens dringend etwas ändern muss. Sie haben ein Grundsatzpapier veröffentlicht mit dem Titel: „In der Seelsorge schlägt das Herz der Kirche“. Darin versuchen sie, die Krisen, aber auch die Chancen zu beschreiben, vor denen Seelsorger heute stehen.
Einige Krisensymptome benennen sie klar – etwa den verbreiteten „Kirchensprech“ und die meist bürgerliche Erscheinungsweise von Gemeinden. Beides schrecke Menschen ab. Die von Gläubigen geäußerte Kritik an der „Beamtenmentalität“ sucht man im Text der Bischöfe allerdings vergebens.
Die Strategien, die das Papier vorschlägt, sind vielfältig. So heißt es dort: Wer die Seelsorge als Beruf wähle, tue dies aufgrund einer „persönlichen Berufung und besonderen Charismen“. Genannt werden dann „die Gabe des Zuhörens, der Begleitung, der Barmherzigkeit, der Glaubenskraft, der Glaubenskommunikation, der Unterscheidung der Geister, der Leitung und andere“. Unbeantwortet bleibt jedoch die Frage, wie sich Menschen mit genau diesen Begabungen für den Kirchendienst gewinnen lassen.
Der Kernsatz des Papiers lautet: Seelsorge gelinge letztlich nur denen, die „mit der Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen in Berührung sind“. In der Regel falle den Seelsorgern „erst aus einer solchen Nähe das rechte Wort zu, das nicht als Floskel empfunden wird, sondern dem anderen guttut und ihn stärkt. Auch die manchmal verborgene Not eines Mitmenschen kann so feinfühlig wahrgenommen werden.“
Wie es die Kirche mit ihrem derzeitigen Personal und in ihrer derzeitigen Vertrauenskrise realisieren kann, diese Nähe wieder zu finden, dafür gibt das Papier der Bischöfe erste Hinweise. Ein Anfang scheint mit dieser Rückbesinnung gemacht, aber auch das wird deutlich: Der Weg zu einem Comeback der Seelsorge ist noch weit.
LUDWIG RING-EIFEL