ICE rast über 25-Kilo-Brocken

von Redaktion

VON DIRK WALTER

München – War es einfach nur ein dummer Streich? Die Bundespolizei versucht zu ermitteln, wer einen massiven Granitblock bei München-Langwied auf ein Ferngleis gelegt hat. „Hinweise haben wir im Moment noch gar keine“, sagt der Sprecher der Bundespolizei, Wolfgang Hauner. Auf einen politisch motivierten Anschlag deutet allerdings nichts hin. „Das schließen wir im Moment aus.“

Der ICE hatte am Montag um 14.29 Uhr den Münchner Hauptbahnhof planmäßig verlassen. Er war auf dem Weg nach Berlin, erster Halt wäre Augsburg gewesen. Doch weit kam er nicht. Auf der Höhe von Langwied erkannte der Lokführer etwa um Viertel vor drei Uhr nachmittags einen Gegenstand auf dem Gleis. Er leitete bei Tempo 130 km/h noch eine Schnellbremsung ein – konnte aber nicht mehr verhindern, dass der ICE über das Gestein rollte. Dadurch zersprang der etwa 15 Zentimeter hohe, 82 Zentimeter lange und 67 Zentimeter breite Brocken in vier Teile.

Einen Reim auf die Herkunft des Steins kann sich die Polizei noch nicht machen. In der Nähe führt eine Straße vorbei, von dort könnte ein Unbekannter den Stein bis zum Gleis geschleppt haben. Aber mitten am Tag?

Genau genommen ist es auch ein Konglomerat aus mehreren Granitblöcken, wie sie zur Befestigung von Straßenrändern genommen werden, in diesem Fall zusammengehalten durch Beton.

Die 180 Fahrgäste im Zug wurden bei dem Vorfall nicht verletzt. „Der Zug war noch fahrfähig, die Passagiere blieben drin sitzen und wurden nach Pasing zurückgefahren“, sagt eine Bahnsprecherin. Dort konnten sie dann umsteigen. Auch wenn der Zug zum Glück nicht aus den Gleisen sprang, wurde er doch erheblich beschädigt. Ein sogenannter Sandrohrträger – der ICE streut Sand, wenn er stark bremst – und eine LZB-Antenne – notwendig für die Zugsicherung – sind verbogen. Zudem wurden die Lauffläche mehrerer Räder und 15 Betonschwellen beschädigt. Die Schadenshöhe ist noch nicht bekannt. Während der Streckenüberprüfung und den Ermittlungen waren beide Richtungsgleise der Fernbahnstrecke von Pasing nach Lochhausen bis 17.30 Uhr, also rund drei Stunden lang, total gesperrt. Dadurch war der Fernverkehr zwischen Augsburg und München erheblich gestört.

Die Herkunft des Granitblocks ist nun Gegenstand der Ermittlungen der Bundespolizei, die wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt. „Es gibt öfter mal dumme Kinderstreiche, Äste, kleinere Steine oder Geldmünzen, die auf Gleise gelegt werden“, sagt Polizeisprecher Hauner. Doch dieser Granitbrocken sei ein ganz anderes Kaliber.

Die Bundespolizei sucht nun Zeugen. Wer am Montag gegen 14 Uhr nahe des Haltepunktes Langwied verdächtige Wahrnehmungen gemacht hat, sollte sich bei der Bundespolizei (Telefon 089/515 550 1111) melden.

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