Freising – Seit Jahren befindet sich das Technische Hilfswerk im permanenten Krisenmodus. Jetzt hat der Freisinger THW-Leiter Michael Wüst SOS gefunkt. „Viele von uns bewegen sich mehr und mehr oberhalb der maximalen Belastungsgrenze. Von dem, was man Ehrenamtlichen eigentlich zumuten kann, will ich gar nicht mehr reden“, betont er in einem leidenschaftlichen Brandbrief, den er auf Facebook veröffentlicht hat und der dort hohe Wellen schlägt.
Ob Flüchtlingskrise, Corona-Pandemie oder Einsätze bei Naturkatastrophen wie der Kampf gegen die Schneemassen im Bayerischen Oberland 2019 oder die Flut im Ahrtal – das THW habe stets geholfen – pflichtbewusst und mit Stolz. „Wir haben immer wieder geliefert und tun das auch im Moment.“ Angesichts des aktuellen Kriegs in der Ukraine, dessen Folgen noch gar nicht absehbar seien, stellt er sich die Frage: „Wie lange soll das eigentlich noch so gehen?“
Der THW-Leiter fordert nun ein Zeichen von der Politik. Er schlägt vor, den Einsatz von Blaulicht-Ehrenamtlichen, egal in welcher Uniform, mit zusätzlichen Rentenpunkten zu honorieren. Für Wüst ist dies nicht nur „ein greifbarer Dank und greifbare Motivation“, sondern auch „eine Attraktion, um neue Kräfte zu gewinnen“. Denn auch das ist ein Problem für das THW: „Angesichts des demografischen Wandels wird der Pool, aus dem wir schöpfen können, immer kleiner.“
Mit seinem Facebook-Post hat Wüst hohe Wellen geschlagen. Sein Beitrag wurde bis dato über 900 Mal geteilt und mit mehr als 80 Kommentaren versehen. Tenor: „Auf den Punkt gebracht!!!“ „Besser kann man es nicht schreiben.“ Wüst selbst ist von der immensen Resonanz überrascht. „Ich hätte nie gedacht, dass es so Fahrt aufnimmt. Es zeigt mir aber, dass ich mit meiner subjektiven Wahrnehmung nicht allein dastehe.“ MANUEL ESER