Wolfratshausen – Für das Landratsamt Bad Tölz gibt es kein Zurück mehr: drei nagelneue Einfamilienhäuser in Wolf–ratshausen-Weidach sollen abgerissen werden, weil sie „komplett“ (Landrat Josef Niedermaier) von der 2014 erteilten Baugenehmigung abweichen. „Da lässt sich auch nichts auf ein legales Maß zurückbauen“, sagt der Chef der Kreisbehörde.
Jens Riedinger (53) und seine Partnerin Christine Mächtlinger (44) sind erst vor gut einem Jahr in eines der Häuser eingezogen. Für sie und ihre vier Kinder (zehn bis 22 Jahre alt) war es nach eineinhalbjähriger Suche das Traumhaus. „Wir haben viel Liebe, Zeit und Geld investiert“, sagt Christine Mächtlinger, die als Produktmanagerin bei einem Automobilhersteller arbeitet. Von ihrem Vermieter hätten sie beim Einzug nur erfahren, dass es eine juristische Auseinandersetzung um die Doppelgarage gebe – dass das gesamte Gebäude laut Landratsamt ein Schwarzbau ist, „hat uns niemand gesagt“, wie Jens Riedinger betont.
Jetzt aber scheint es keinen Ausweg mehr zu geben: Die drei Häuser müssen weg. Spätestens am 1. Oktober dieses Jahres muss der Vermieter die Beseitigung der Häuser zusichern. Neben dem Landrat steht auch der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner hinter der Entscheidung. Natürlich sei dies „vor allem für die Mieter extrem hart“, sagt Heiling–lechner. Aber jetzt nur ein Bußgeld zu verhängen, komme einer Kapitulation gleich. „Dann brauchen wir künftig das Baurecht nicht mehr. Dann macht einfach jeder, was er will.“
Die Mieter kann er damit nicht überzeugen. Sollte der Bau unrechtmäßig erfolgt sein, „muss das als massivste Konsequenz mit einem schmerzhaften Bußgeld sanktioniert werden“, findet Jens Riedinger. Aber ein Abriss? „Das ist keine Verhältnismäßigkeit“, sagt seine Partnerin Christine Mächtlinger. Sie halte das für „Raubbau an der Natur“ und eine „sinnlose Verschwendung von Ressourcen“. Ihre Familie habe jetzt viel emotionalen Stress, sagt sie noch. „Wir verstehen die Welt nicht mehr.“ CARL-CHRISTIAN EICK