Unterbrunn – Corona hat die Burschenvereine zwei Jahre zur Untätigkeit verdonnert. Doch in diesem Frühjahr ist damit Schluss: Jetzt gibt es in vielen Gemeinden wieder Maibaum-Feiern. Bevor es jedoch ans Aufstellen geht, muss der Maibaum vor Dieben geschützt werden. Die Unterbrunner Burschen aus dem Landkreis Starnberg sind gefürchtet. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden Hannes Göschl.
Keiner stiehlt Maibäume so ausgefuchst wie die Burschen aus Unterbrunn. Woher kommt der Ruf?
Mittlerweile gehen 67 Maibaumdiebstähle auf unser Konto. Das muss uns erst einmal einer nachmachen. Bereits unsere Großväter fingen in den 1950er-Jahren an, Maibäume zu stibitzen. Da waren sie mit die ersten.
Haben Sie heuer schon einen Baum im Visier?
Wir sind verdammt scharf aufs Maibaum-Klauen. Klar, nach zwei Jahren Pause. Heuer haben wir die Qual der Wahl. So viele Bäume zur Auswahl gab es noch nie. Aber natürlich verrate ich nicht, wen wir heuer auserkoren haben.
Wer muss Euch fürchten?
Weil wir den Baum mit einem Bulldog einholen, sind wir natürlich geografisch begrenzt. In der Regel setzen wir uns einen Radius von maximal 40 Kilometern rund um Unterbrunn. Aber keine Regel ohne Ausnahme: Wir haben auch schon mal den Oberndorfern im Landkreis Ebersberg den Baum geklaut. Das waren knapp 70 Kilometer Wegstrecke einfach.
Habt Ihr selbst schon einen Baum?
Ja, er ist schon geschnitten. Aber unser Maibaum liegt noch im Wald.
Wie geht Ihr einen Maibaum-Klau an?
So ein Maibaum-Klau ist harte Arbeit. Da muss man schon was leisten, damit man nicht mit leeren Händen nach Hause geht. Im April sind unsere Späh-Trupps nachts unterwegs. Sie suchen nach unbewachten Bäumen. Sobald sie einen entdeckt haben, muss alles sehr schnell gehen. Die anderen Burschen werden mit einem Weckruf informiert, die dann blitzschnell vor Ort sein müssen. Wir haben ja nicht viel Zeit, den Maibaum zu entwenden. Aber das ist kein Problem, wir sind ein eingespieltes Team.
Was ist das für ein Gefühl, wenn man einen Maibaum geklaut hat?
Ein sakrisch gutes Gefühl.
Einige Burschen setzen auf Video-Überwachung. Was haltet Ihr davon?
Das ist halt der Lauf der Zeit. Aber für uns kein Problem. Wir sind technisch auch versiert. Wir finden häufig Lösungen, wie wir solche Sicherheitssysteme umgehen können. Natürlich ohne etwas kaputt zu machen.
Wie läuft bei Euch in diesem Jahr das Maibaumaufstellen ab?
Ganz klassisch, mit Tanz in den Mai am 30. April und Maibaum-Aufstellen mit Blasmusik am 1. Mai. Allerdings planen wir heuer kein großes Fest. Wir verzichten darauf, ein Zelt aufzustellen. Fürs leibliche Wohl ist aber trotzdem gesorgt.
Interview: Stephanie Ebner