München/Freising – Es ist ein Projekt mit vielen Namen, das eine private Investorengruppe um die Freisinger SWMunich Real Estate GmbH seit zwei Jahren verfolgt: Mal wird die im Nordwesten des Flughafens geplante Halle als multifunktionales Konzert- und Kongresszentrum bezeichnet, mal als „MUCcc“ – multifunktionales Conventiion Center –, als Konzertarena oder auch einfach als „Arena“. So schillernd der Name, so vielfältig die Ziele, die mit dem Bau verfolgt werden: Konzerte mit bis zu 20 000 Besuchern sollen in der Halle ebenso möglich sein wie Live-shows, TV-Produktionen oder Firmenevents. Am Mittwoch soll der Stadtrat der Stadt Freising, zu deren Flur das bisher unbebaute, zehn Hektar große Grundstück gehört, das Projekt „zustimmend zur Kenntnis“ nehmen und damit die weiteren Planungen einleiten. So steht es in den 263 Seiten umfassenden – bisher vertraulichen – Sitzungsunterlagen, die unserer Zeitung vorliegen.
Aus den Unterlagen geht hervor, dass das Projekt um einiges teurer wird als bisher bekannt. Als offizielle Hausnummer wird bisher ein Investitionsvolumen von 200 Millionen Euro genannt. So stand es am Freitag auch noch auf der Homepage der SWMunich. Doch in den Sitzungspapieren heißt es: „SWMunich wird nach eigenen Angaben voraussichtlich rd. 320 Mio Euro in den Standort investieren.“ Zu dem Projekt gehört auch ein 200-Betten-Hotel sowie ein großes Parkhaus. Die Verteuerung um 120 Millionen Euro wird von SWMMunich-Sprecher Jan Manz bestätigt. Die Summe hätten fortgeschrittene Planungen ergeben. Das Projekt werde „natürlich“ weiterverfolgt. SWMunich rechnet mit Planung und Genehmigung in zwei Jahren sowie drei Jahren Bauzeit. Demnach könnte die Halle 2027 stehen. Ein „eingeschwungener Zustand des Betriebs“, also Rentabilität, sei im vierten Jahr nach Eröffnung zu erreichen. Wirtschaftsprüfer von Deloitte haben dazu eine Analyse erstellt – diese dürfen Stadträte aber nur im Rathaus einsehen.
Im Freisinger Stadtrat neigt sich die Stimmung bislang pro Projekt. Eine Mehrheit aus „Freisinger Mitte“, der OB Tobias Eschenbacher angehört, sowie CSU und FW hat sich in der Vergangenheit für das Projekt ausgesprochen. Grüne, ÖDP und Linke sind in der Minderheit. Doch der Widerstand wächst: Am Montag will sich in München das Bündnis „Koa Kongresshalle am Flughafen“ gründen – Initiatoren sind neben dem Bund Naturschutz das kampferprobte Anti-Startbahn-Bündnis „Aufgemuckt“. Sprecher Christian Magerl sieht „gravierende Nachteile“ für die Region. Ein Knackpunkt ist das Verkehrskonzept – auf welchen Wegen werden die geschätzt eine Million Besucher im Jahr zur Arena gelangen? Auch dazu gibt es neue Erkenntnisse in den Unterlagen: „Für den größten Teil der aus der Ferne anreisenden Besucher“, so heißt es dort, sei „eine nächtliche Rückkehr mit dem öffentlichen ÖV (öffentlichen Verkehr – d. Red.) nach Konzert-ende nicht oder nicht zuverlässig möglich.“ Zudem ist die nächstgelegene S-Bahn-Station „Besucherpark“ zu Fuß 1,2 Kilometer weit entfernt. Die Gegner des Projekts rechnen deshalb damit, dass die Masse der Besucher mit dem eigenen Pkw, zum Teil aber auch mit dem Flugzeug anreisen würde. Die SWMunich Real Estate spricht indes von „Deutschlands erster klimaneutraler Konzertarena“ – weil der Bau, architektonisch extravagant mit einem Außenskelett („Exoskelett“), mit viel Holz errichtet werde und „das Gelände um die Arena herum zu einer grünen, nachhaltigen Parklandschaft“ aufgewertet werde.