München – Es ist noch ein ungewohntes Bild: Eine Kundin schiebt sich mit großen Einkaufstaschen durch die Drehtür eines großen Münchner Modegeschäfts – ihr Gesicht ist frei, keine Maske zu sehen. Seit Sonntag darf man wieder ohne Mundschutz bummeln. In der Münchner Sendlinger Straße bleibt das Bild am ersten Werktag ohne Maskenpflicht aber gemischt: Viele Kunden tragen sie immer noch, wenn sie in die Läden gehen.
Auch bei Juwelier Fridrich wirkt auf den ersten Blick fast alles wie gewohnt. Verkäuferinnen stehen hinter dicken Plexiglasscheiben, alle tragen FFP2-Masken. Nur ein Kunde hat sie nicht mehr auf. Nach kurzer Zeit fragt er eine Verkäuferin: „Wäre es Ihnen lieber, wenn ich sie aufsetzte?“ Nein, nein, das sei nicht nötig, sagt die Verkäuferin. Das Geschäft stellt es seinen Kunden frei, ob sie Maske tragen, oder nicht.
Bei den Mitarbeitern ist das anders: Sie müssen die Maske weiter tragen. „Damit wir uns nicht gegenseitig anstecken, einfach um weitermachen zu können“, sagt Geschäftsführer Leopold Lindner (24). Erst vergangene Woche seien fünf Mitarbeiter an Corona erkrankt, einige sind noch in Quarantäne. Für einen kleinen Betrieb sei das eine schwere Belastung. In einer Situation mit weiterhin hohen Inzidenzen fühle es sich ohne Maske für ihn einfach noch nicht ganz richtig an, sagt Lindner.
So geht es vielen, die gestern durch München und andere bayerische Städte schlenderten. Janis Held, 30, trägt Maske und sagt: „Ehrlich gesagt finde ich es mit Maske sicherer. Aus Respekt vor anderen werde ich sie weiter aufbehalten.“ Cornelia Hajduk, 65, hat die Maske hingegen abgezogen. „Ich fühle mich jetzt einfach freier. Ein Stück Leben kehrt zurück.“
Nach wie vor trage aber die überwältigende Mehrheit der Kunden und Mitarbeiter in Bayerns Geschäften Maske, hieß es gestern beim Handelsverband Bayern. Rund 90 Prozent hielten daran fest, sagte Geschäftsführer Bernd Ohlmann. Er ist positiv überrascht, geht aber davon aus, dass sich das Bewusstsein ändert, sobald es wärmer wird und die Infektionszahlen sinken. Der bayerische Hotel- und Gaststättenverband zeigte sich erleichtert über den Wegfall von Maskenpflicht und Zugangskontrollen. „Die Stimmung war gelöst“, berichtet Landesgeschäftsführer Thomas Geppert. Seinen Angaben zufolge trugen in der Gastronomie noch etwa die Hälfte der Gäste Maske. Beim Personal seien es rund 30 Prozent gewesen.
In der Metzgerei von Karl Weber in Lenggries (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) trugen gestern ebenfalls fast alle Kunden Maske. Eigentlich hatte Weber angekündigt, die Maskenpflicht in seinem Laden bis Ostern beibehalten zu wollen. Das brachte ihm allerdings böse Mails von Stammkunden ein. Also entschied er sich um des Friedens willen für eine Empfehlung statt eine Pflicht.
In den Schulen hingegen herrsche Uneinigkeit, wie man mit der neuen Situation umgehen solle, sagt Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands. „Es gab einige, die die Masken weiterhin getragen haben, andere freuten sich darüber, dass die Pflicht weggefallen ist.“ Das führe zu Spannungen. Sie habe Sorgen, dass sich vor Ostern noch viele Kinder und Lehrer infizieren.
Einige Einrichtungen bleiben aber vorerst noch bei strengeren Regeln. Im Schloss Neuschwanstein zum Beispiel fällt zwar die 3G-Einlasskontrolle, die FFP2-Maskenpflicht bleibt aber bestehen. Auch bei den Straf- und Zivilgerichten bleiben Maskenpflicht und Abstandsregeln bestehen. Der Verwaltungsgerichtshof hält sogar an der 3G-Regel fest. Auch an der Ludwig-Maximilians-Universität bleibt die Maske Pflicht, wenn kein Mindestabstand gewahrt werden kann. Die TU München hingegen belässt es bei einer dringenden Empfehlung. Genau wie der Flughafen München in seinen Terminals. In den Bussen und der Flughafen-U-Bahn bleibt die Maske jedoch vorgeschrieben. lim/bat/wal/kb/lby