München – „So banal es klingt: In den Bergen herrscht noch Winter“, sagt Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein. „Das unterschätzen die meisten.“ Deshalb ist es in den vergangenen Wochen vermehrt zu tödlichen Abstürzen gekommen: Alleine drei Menschen verloren am Sonnenberggrat in den Ammergauer Alpen ihr Leben: Ein Mann (41) aus dem Kreis Rosenheim stürzte dort rund 200 Meter tief in den Tod. Nur acht Tage später fanden Suchmannschaften zwei weitere tödlich verunglückte Menschen (wir berichteten).
„Weil auch in den Bergen heuer verhältnismäßig wenig Schnee liegt und die Wandersaison ungewöhnlich früh begonnen hat, seien sich die Menschen der Gefahren oft nicht bewusst, sagt Roland Ampenberger von der Bergwacht Bayern.
Daran hat auch der Schnee-Einbruch am vergangenen Wochenende nichts geändert. Spätestens zum kommenden Wochenende erwarten Alpenverein und Bergwacht wieder regen Ausflugsverkehr auf den Wanderwegen. Damit der Trip in die Berge nicht tödlich endet, gibt es einiges zu beachten.
Bucher betont, wie wichtig es ist, eine Tour in den Bergen vorab gut zu planen. Sinnvoll sei es hierzu, erst einmal einen Blick auf die Webcams vor Ort zu werfen. „Dann weiß man, auf welche Verhältnisse man sich einlässt.“ Denn die frühlingshaften Temperaturen im Tal seien oft trügerisch.
Nur mit einem Blick auf die Webcams vor Ort sollte man sich bei der Planung nicht zufrieden geben. Buchers zweiter Rat: „Am besten die Hüttenwirte vor Ort anrufen. Die wissen, wie die Schneelage ist.“ Außerdem erfahre man so auch gleich, ob die Hütten vor Ort überhaupt geöffnet haben. Bucher: „In vielen Regionen beginnt die eigentliche Wandersaison erst im Mai.“ Unerfahrene Wanderer sollten sich bis dahin gedulden.
„Besondere Gefahr geht derzeit von den Schneefeldern aus“, warnt der Alpenverein. Diese schauen oft harmlos aus, haben es aber in sich: An nordseitigen Hängen, im Schatten und in höheren Lagen sind Wege noch bis in den Frühling mit Schnee bedeckt. Durch den Wechsel von warmen Tagen und kalten Nächten treffe man morgens oft auf eisige Schneefelder, die im Laufe des Tages auffirnen. Diese können gefährlich werden. Eine Zone, die auch von erfahrenen Bergwanderern manchmal unterschätzt wird.
„Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Bergwanderer, wenn er auf einem harten, 40 Grad steilen Firnfeld ins Rutschen gerät, fast dieselbe Geschwindigkeit erreicht wie im freien Fall“, so Stefan Winter vom DAV.
Daher gilt: „Schneefelder sind beim Wandern und Bergsteigen eine besondere Herausforderung, der man mit viel Umsicht begegnen sollte.“ Bucher sagt: „Wer sich unsicher fühlt, sollte umdrehen. Dazu gehört mehr Mut, als die Tour einfach durchzuziehen.“ Sollte man doch ins Rutschen geraten: Möglichst schnell in die Bauchlage drehen und in die Liegestützposition drücken. Nur so bestehe die Chance, den Rutschvorgang abzubremsen.
Feste Bergwanderschuhe mit rutschfester Profilsohle sollten selbstverständlich sein, um sicher am Berg unterwegs zu sein – eventuell auch Grödel oder Steigeisen.