Kongresshalle nimmt Hürde

von Redaktion

VON A. BESCHORNER, D. WALTER UND K. VICK

Freising/München – Die Investoren von der SWMUNICH Real Estate GmbH rühmen sie jetzt schon als „architektonisches Statement für Bayern mit Wahrzeichencharakter“: Bis zu 320 Millionen Euro sollen wie berichtet auf einem zehn Hektar großen Grundstück im Westen des Flughafens investiert werden – ein Hotel mit 200 Zimmern und ein Parkhaus mit 1200 Stellplätzen inklusive. Das Geld bringen private Investoren auf, so wird versichert – Steuergeld fließt keins. Das Grundstück soll dem Flughafen abgekauft werden – der Aufsichtsrat hat schon die Genehmigung erteilt.

Am Mittwoch wurde dem Freisinger Stadtrat nicht nur der Siegerentwurf des Londoner Architekturbüros Populous präsentiert. Auch die Frage der Verkehrsbelastung durch die Konzert-Arena wurde in einem ersten Gutachten dargelegt. Fazit: Sowohl die vorhandenen Straßen als auch Bus und Bahn seien in der Lage, die Verkehrsströme aufzunehmen. Es soll, so formulieren es die Investoren, „die modernste und erste klimaneutrale Konzert-Arena Deutschlands werden“.

Seit Bekanntwerden der Pläne im Jahr 2019 hatten sich Gegner und Befürworter des Großprojekts in Stellung gebracht. Zuletzt hatte sich das Aktionsbündnis „Koa Kongresshalle“ gegründet, das unter anderem in der geplanten Arena Konkurrenz zur Olympiahalle sieht. Allerdings war zu erwarten, dass sich die Mehrheit des Freisinger Stadtrats dafür aussprechen würde, das Bauleitverfahren einzuleiten.

Und so kam es auch: Nach fast vier Stunden votierten die Stadträte mit 25:14 Stimmen für die Arena. Befürworter waren geschlossen die Fraktionen der Freisinger Mitte (FSM), der Freien Wähler, der SPD und der CSU plus ein FDP-Stadtrat und Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (FSM). Er sei froh, dass die Entscheidung des Stadtrats so deutlich gewesen sei, sagte Eschenbacher hinterher. „Für mich persönlich wäre es auf jeden Fall eine Bereicherung für den Standort Freising.“ Geradezu euphorisch äußerte sich der Fraktionschef der FSM, Reinhard Fiedler. „Ich bin begeistert. diese Halle wird gebaut werden.“ Gegen die Einleitung des Verfahrens stimmten Grüne, ÖDP und Linke. Kulturreferentin Susanne Günther (Grüne) sprach von einem „elitären Projekt“, Emilia Kirner (ÖDP) bezweifelte schlicht den Bedarf für so eine riesige Halle.

Auch in München ist man wenig begeistert von den Plänen. Er sei „überrascht“ von der Entscheidung, sagte OB Dieter Reiter (SPD), zumal die Besucher der Arena „überwiegend mit dem eigenen Auto“ anreisen würden. Die Arena könne „negative Auswirkungen“ auf die Auslastung der Münchner Kulturstätten haben. Womöglich baut die Stadt selbst eine neue Halle. Er erwarte da einen Entscheidungsvorschlag der Verwaltung, deutete Reiter an. Aktuell wird geprüft, ob im Olympiapark Bedarf für eine neue Halle (20 000 Besucher) besteht. Grünen-Fraktionschefin Anna Hanusch sagt, noch sei das Konzept für die Flughafen-Arena „etwas schwammig“, aber sie erwarte durchaus eine Konkurrenz zur Olympiahalle. Nachhaltig seien die Pläne aus ökologischer Sicht jedenfalls nicht. SPD-Fraktionschef Christian Müller sagt: „Von Freising lassen wir uns hier nicht drängen: Wir können die Ergebnisse in Ruhe abwarten, sie vernünftig abwägen und danach entscheiden.“ Auch aus Sicht der CSU ist ein mittleres, multifunktionales Kongress zentrum in München sinnvoll.

Die Investoren in Freising indes rechnen mit mehreren Jahren Planung. Die Konzertarena könnte 2027 stehen.

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