„Ob wir ihn noch einmal wiedersehen?“

von Redaktion

INTERVIEW mit Gebirgsschütze Hans Baur zum Überraschungsbesuch bei Benedikt XVI.

Eigentlich wollte der emeritierte Papst Benedikt XVI. keinen Besuch zu seinem 95. Geburtstag. Doch plötzlich kam für die Bayerischen Gebirgsschützen grünes Licht aus dem Altersruhesitz – und eine Delegation von vier Gebirgsschützen machte sich auf den Weg. Wir sprachen mit Hans Baur (73) aus Wallgau (Kreis Garmisch-Partenkirchen), dem stellvertretenden Landeshauptmann.

Wie ist es zu dem Blitzbesuch gekommen?

Ursprünglich hatten wir ja angefragt, ob wir kommen könnten. Da hat man uns gesagt, das ist nicht möglich, das schafft er nicht. Dann wurde ganz kurzfristig mitgeteilt, mit drei bis vier Personen könnte man es wagen.

Wann kam das?

An den Ostertagen. Offensichtlich kam ein Anruf von Erzbischof Gänswein. Und dann ging es ganz schnell. Martin Haberfellner hat mich als seinen Stellvertreter angerufen, Hans Wembacher von den Traunsteiner Gebirgsschützen war bereits als Reiseführer in Rom. Wir sind am Dienstag um 5 Uhr aufgestanden. Der Ehrenhauptmann der Traunsteiner Kompanie, Sebastian Knittler, hat uns in Innsbruck zusteigen lassen und dann sind wir nach Rom gefahren. Am Mittwoch mussten wir in aller Früh raus, weil seit zwei Jahren wieder eine offizielle Audienz von Papst Franziskus auf dem Petersplatz war. Wir hatten das große Glück, dass wir oben in der ersten Reihe sitzen durften. Papst Franziskus hat uns nach der Audienz begrüßt.

Hat er etwas gesagt?

„Kommen Sie von München?“, hat er gefragt. „Gefährlich, sehr viel Bier trinken“, hat er gesagt. (Baur lacht). Wir sollen für ihn beten. Und dann hat er noch Grüße an den Kardinal Marx ausrichten lassen. Danach sind wir von der Schweizer Garde zum Kloster „Mater Ecclesia“ gebracht worden. Punkt 12 Uhr waren wir da. Ordensschwestern haben uns begrüßt, Erzbischof Gänswein konnte nicht, weil er kurz davor positiv auf Corona getestet worden war.

Wie ging es Benedikt?

Er hat sich sehr gefreut und war auch geistig fit. Er ist halt körperlich schwach, kann nicht mehr gescheit gehen. Manchmal hat ihm die Stimme versagt, da hat er sich räuspern müssen. Dann wurde sie wieder fester. Er hat sich erkundigt, wo wir alle herkommen. Es geht ja nicht so laut zu, man ist ja vom Umfeld etwas gefangen.

Wie war der Abschied?

Wir haben seinen Segen erbeten. Dann hat er jedem die Hand gegeben. Zum Schluss haben wir an der Tür gestanden und ihm zugewunken – da hat er zurückgewunken. Dann sind wir ins Hotel gebraust, haben uns umgezogen und sind wieder acht Stunden heimgefahren. In der Nacht um zwei Uhr waren wir zu Hause. Das war schon ein Ding! Da konnte man nicht groß überlegen – hopp oder top.

Sind Sie mit Wehmut weggefahren?

In der Zeit, in der wir bei ihm waren, gab es keine Wehmut. Das war lustig. Wir haben viel gelacht. Wie man sich halt in einer Familie erinnert an gemeinsam Erlebtes. Aber wie wir dann weggefahren sind, da war die Dimension schon erkennbar. Ob wir ihn noch mal wiedersehen? Weiß man nicht. Es kann sein. Er wird ja sehr gut gepflegt.

Interview: Claudia Möllers

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