Olching – In Olching im Kreis Fürstenfeldbruck lebt seit Kurzem ein Küken namens Netto. Es verdankt seine Existenz mehreren Zufällen – und auch eine Supermarkt-Kette spielte eine wichtige Rolle.
Zu Hause ist Küken Netto auf dem Hof von Gerhard Wendl. Der betreibt eine Vogelrettungsstation, auf der er auch immer wieder Kinder begrüßt. Ihnen wollte er einiges über Hühnerküken beibringen – und hat dabei selbst viel gelernt. Seine Zwerg-Cochin-Henne Eulalia sollte für Nachwuchs sorgen. Damit die Eier nicht kaputt gehen, bis Eulalia ihre endgültige Brutposition eingenommen hat, griff Wendl zu einer List: Er tauschte die Eier gegen Eier aus dem Discounter aus. Erst als die Henne bereit war für die Brut, schob er ihr wieder ihre eigenen sieben Eier unter. Dabei muss er offensichtlich eines der Supermarkt-Eier übersehen haben. Denn es schlüpften acht Küken. Etwas später fand Wendl die Discounterei-Schale – samt Stempel.
Aber schon auf den ersten Blick ist erkennbar, dass ein Küken etwas aus der Reihe tanzt: Supermarkt-Küken Netto sieht ganz anders aus als seine Zwerg-Cochin-Geschwister. Netto hingegen sieht aus wie ein Küken einer gewöhnlichen Legerasse.
Dass Netto nun ein schönes Kükenleben auf Wendls Hof vor sich hat, ist nur möglich, weil das Supermarkt-Ei befruchtet war. Eigentlich werden befruchtete Eier durch diverse Qualitätskontrollen aussortiert. Manchmal rutscht aber eines durch. Das kann vor allem bei Bio-Eiern passieren. Auf den Höfen dort sind unter den Hühnern auch oft Hähne, die sie vor natürlichen Feinden schützen. Ganz ausschließen lässt sich eine Befruchtung trotz aller Vorkehrungen also nie. Sobald Eier unter 25 Grad gelagert werden, kann allerdings keine weitere Zellteilung mehr stattfinden – also auch kein Küken schlüpfen. Das Discounter-Ei, das Wendls Henne ausbrütete, muss also befruchtet gewesen und nicht in der Kühlung gewesen sein. Ein riesiger Zufall. TOBIAS GEHRE