Die Jagd nach der Munition

von Redaktion

VON DIRK WALTER UND TOBIAS GEHRE

München/Dachau – Hubert Hetzel führt ein traditionsreiches Waffengeschäft in Dachau. Dass die Munition teilweise knapp ist, kann er bestätigen. Zwar gibt es keinen Ausverkauf, sagt der Händler. Freilich: „Manchmal müssen Kunden auf bestimmte Bestellungen einige Wochen warten.“ Die Sprecherin des Bayerischen Jagdverbands, Hannah Reutter, bestätigt dies: „Sowohl Jäger als auch vor allem Büchsenmacher und Händler haben uns mitgeteilt, dass Munition momentan schwer zu bekommen ist.“

In Maisach (Kreis Fürstenfeldbruck) leitet Joachim Brüning den Sportschützenverein Bavaria. Er beklagt sogar Preissteigerungen. Einzelne Kaliber seien doppelt so teuer wie früher.

Wer nach Gründen sucht, der denkt wahrscheinlich sofort an die Ukraine. Doch so einfach ist es wohl nicht. Einerseits wolle die Bundeswehr ihre Bestände auffüllen, andererseits gebe es auch eine verstärkte Nachfrage in den USA, meint Händler Hetzel. Dort horteten Privatleute Munition. „Die drehen am Rad, füllen ihre Keller auf.“ Er denke, das habe mit dem Präsidentenwechsel von Trump zu Biden zu tun. Er habe das in seiner langen Tätigkeit schon öfters erlebt: Immer wenn es Gerüchte um eine Verschärfung der Waffengesetze in den USA gebe, deckten sich waffenaffine Gruppen ein.

Das bestätigt auch die RUAG Ammotec, mit 1500 Mitarbeitern am Standort Fürth einer der größten Hersteller von Munition in Deutschland. „Insbesondere der nordamerikanische Markt erfuhr in der Vergangenheit einen enormen Anstieg der Munitionsnachfrage“, erklärt Sprecher Clemens Gähwiler. „Infolgedessen wurde weniger nach Europa exportiert.“

Ein zweiter Grund für die Verknappung sei die Corona-Pandemie, während der die Produktion ins Stocken geraten sei. Im Endeffekt wirkt sich das so aus: „Derzeit ist nicht die volle Sortimentsbreite jederzeit verfügbar.“ Bestimmte „exotische“ Kaliber seien rar, „da der Fokus auf Standardkalibern liegt“.

Auch Rohstoffknappheit bestätigt die RUAG. Ein Großteil der Zündhütchen, berichtet Andreas Koppelt, Schießbetriebsleiter des 760 000 Mitglieder starken Bayerischen Sportschützenbundes, werde in China gefertigt. Dort gibt es wegen des Corona-Lockdowns immer wieder Fertigungsschwierigkeiten.

Ob der Preisanstieg schon auf dem gesamten Markt bemerkbar ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Händler Hubert Hetzel betont, der Preisanstieg sei eher moderat.

Beispielsweise habe sich der Preis für das Kaliber 9,3 x 62 mm – die Munition sei für die Wildschweinjagd geeignet – für 20 Schuss von 113 auf 116 Euro nur leicht erhöht. Bei der häufig verwendeten Pistolenmunition 9 x 19 mm kosten 50 Patronen nun 18 Euro – gerade mal 80 Cent mehr als 2021. Einen Preisanstieg von 30 Prozent, wie sie beispielsweise die Kreisgruppe des Jagdverbands Fürstenfeldbruck berichtet, hält Hetzel für nicht reell. Der Bayerische Jagdverband betont aber, bei dem weit verbreiteten Jagdkaliber 308 gebe es „bis zu 30 Prozent Preissteigerung“.

Ganz so dramatisch ist die Lage aber wohl noch nicht, meint Vereinschef Max Zimmerer von den Bavaria-Schützen in Maisach: Viele Mitglieder hätten noch Reserven. Der Sport sei eine Leidenschaft. „Da hört man eher mit dem Rauchen auf.“

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