Oberammergau – Es sind nicht mal mehr zehn Tage bis zur Premiere der Passionsspiele. Spielleiter Christian Stückl macht bei der Hauptpressekonferenz kein Geheimnis daraus, wie sehr er sich darauf freut, dem internationalen Publikum zu präsentieren, wie er und sein Team das Gelübdespiel nach der Corona-Zwangspause weiterentwickelt haben.
Ein Beispiel dafür ist der Text, an dem der Spielleiter herumtüftelt – heute mit viel freierer Hand als zu seinen Anfangszeiten vor 30 Jahren. Sein eigenes Bild von Jesus ändere sich ständig, verrät Stückl. 1990 habe er gedacht, Christus müsse laut sein, 2000 dagegen eher ruhig und überlegt. Diesmal bringt der 60-Jährige wieder einen anderen Charakter zum Vorschein. „Er verzweifelt manchmal an dieser Welt“, sagt er mit Blick auf Flüchtlingskrise und Krieg. Auch die Bühne hat sich verändert. Weg von den Gassen von Jerusalem und verschiedenen Spielorten hin zu einer Gesamtbühne: der Tempelanlage. Die Gewänder der Darsteller werden heuer dunkler sein. Auch der Chor ist nicht mehr weiß gekleidet, sondern in schwarz-weißer, festlich-bäuerlicher Kleidung.
Christian Stückl macht keinen Hehl daraus, dass er wenig begeistert ist über das G7-Treffen im Juni in Elmau. „Wir kommen uns hier vor wie im Tierpark mit den langen Haaren und in unserem Käfig“, sagt er und spielt damit auf den Sicherheitszaun an. Den Ablauf der Spiele wird der Gipfel aber nicht beeinflussen.
Für gestern Abend stand noch ein wichtiges Ereignis an. Nach der Probe wollte Stückl das Geheimnis lüften, wer die Maria und wer den Jesus bei der Premiere spielt. Das Los entscheidet. Bis zu Redaktionsschluss war noch nicht bekannt, wessen Name gezogen wurde. mas/cf