Alpenverein erwartet Ansturm auf die Berge

von Redaktion

VON DOMINIK GÖTTLER UND SABINE DOBEL

München – Nächstes Wochenende startet auf der Mittenwalder Hütte auf 1515 Metern die Saison – mit erweiterter Terrasse, sanierter Stützwand und einem neuen Pächterpaar. In vielen Alpenvereinshütten laufen gerade die letzen Vorbereitungen für die Sommersaison. Denn so viel ist klar: Es wird wieder voll werden auf Bayerns Bergen in diesem Sommer.

„Wir werden wieder einen Andrang im Gebirge erleben“, sagt Josef Klenner, Präsident des Deutschen Alpenvereins (DAV). Pandemiebedingte Einschränkungen werde es in den Bergen in diesem Sommer wohl kaum mehr geben. „Und das ist auch gut so, denn die Menschen sehnen sich nach Natur, Entspannung und Freiheit“, sagt Klenner. Er rechnet mit großem Zulauf für die Hotspots in den bayerischen Alpen. „Das 9-Euro-Ticket wird dazu auch noch beitragen“, prophezeit Klenner. Dass der Bergsport-Boom für die Alpenregion auch eine Belastung sein kann, ist ihm klar. „Wir haben leider kein Patentrezept, um den Druck in den Griff zu bekommen.“ Er kündigt jedoch an, die eigenen Mitglieder noch stärker zu sensibilisieren: „Jeder sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein und nicht gedankenlos ins Gebirge fahren. Lieber nicht so oft, aber dafür auch mal länger“, sagt Klenner. Er denkt dabei auch an den Klimaschutz, denn da sei die Mobilität der Menschen immer noch der größte Hebel, um Emissionen einzusparen.

Mit Blick auf die Hütten sieht der Alpenverein höhere Preise auf die Besucher zukommen. „Die allgemeinen Preissteigerungen für Baumaßnahmen, Energie und bei den Lebensmitteln werden auch bei den Hüttenbesuchern ankommen“, sagt DAV-Geschäftsführer Olaf Tabor. Die Obergrenze für die Übernachtungsgebühren ist bereits angehoben worden. Und die komplizierte Situation in der Baubranche könne auch dazu führen, dass manche Hütten erst verspätet in die Saison starten können. Wegen des zu erwartenden Besucheransturms ist es laut Olaf Tabor absolut ratsam, sich bei geplanten Touren schon jetzt um eine Reservierung zu kümmern – gerade bei bekannten Hütten.

Während der Alpenverein nach vorne blickt, zog die Bayerische Bergwacht am Freitag in Bad Tölz ihre Winterbilanz. In den vergangenen Monaten hatte es ungewöhnlich viele Todesfälle beim Wandern und auch mehr Lawinentote als in den Vorjahren gegeben. Insgesamt verunglückten 19 Wanderer und Bergsteiger tödlich, vier Menschen starben in Lawinen.

Immer wieder fehle die Wahrnehmung für Gefahren und die Kompetenz, sich entsprechend angepasst zu verhalten, warnte der stellvertretende Landesleiter der Bergwacht Bayern, Jürgen Bummer. „Die Leichtigkeit der digitalen Bilderwelt in den sozialen Medien suggeriert häufig eine allgegenwärtige Verfügbarkeit und Machbarkeit von Gipfelzielen, unabhängig von allen weiteren Faktoren und persönlichen Fähigkeiten.“ Mehr als 200 Mal mussten die Bergwachtler Menschen retten, die nicht weiter konnten oder sich verstiegen hatten, aber unverletzt waren.

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