Romy hat Emmy. Emmy hat Schwierigkeiten mit dem Rückgrat und das ist nicht moralisch gemeint. Ingeborg ist froh, dass Herr Karl ihr fröhlich Gesellschaft leistet. Martin und Juri teilen nach dem Tod von Ginger das Haus mit James. Margaretha fährt mit Henry, dem Charmebolzen, in Urlaub. Unsere Nachbarinnen Corinna und Alex haben nach Jahren wieder einen Mitbewohner: Seppi. Traugott und Daniel freuen sich an Villimey, die ihrerseits mit den Rindviechern von nebenan gut bekannt ist. Was unsere Freunde und Bekannten wohl täten, wenn sie fliehen müssten? Ich bin sicher, dass alle den Hund oder die Katze mitnehmen würden. Für so ein Geschöpf hat man nicht nur Gefühle, sondern auch Verantwortung. Für viele ist es quasi ein Familienmitglied.
Niemand muss sich wundern, wenn Geflüchtete aus der Ukraine mit ihrem Haustier im Arm ankommen. Deutschland erlaubt Ukrainern und Ukrainerinnen die Einreise mit den pelzigen oder gefiederten Begleitern. 28 000 Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Wellensittiche und andere Lebewesen sind es inzwischen, die eingetroffen sind. Es wird den Geflüchteten empfohlen, die Viecherl zum Tierarzt zu bringen, damit er sie untersuchen, ordnungsgemäß impfen und mikrochippen kann. Viele bekommen auch einen eigenen Heimtierausweis. Das ist wichtig. Noch viel wichtiger ist das Gefühl, Vertrautes bei sich zu haben, ein Geschöpf zum Liebhaben, zum Kuscheln und Kommunizieren. Aus Seelsorge und Therapie wissen wir, wie gut es gerade Kindern und älteren Menschen tut, wenn sie ein Tier um sich haben. Und für die, die alles zurückgelassen haben, nur nicht den Kater, die Hündin oder den Piepmatz, ist das Schnurren, Brummen, Bellen und Zwitschern ein Anker, um nicht von der eigenen Angst und dem erfahrenen Leid davongetrieben zu werden.
In einigen Flüchtlingsunterkünften wird dankenswerterweise Raum geschaffen, damit Mensch und Tier sich nicht trennen müssen. Wo es nicht anders geht, sind Tierheime bereit, Hund und Katze aufzunehmen – so, dass sie jederzeit besucht werden können. Es gibt auch Plattformen wie www.tasso.net, die dafür sorgen, dass geflüchtete Tiere gut untergebracht werden. Man kann den Ort eingeben, an den man möchte, die Zahl und Art der Tiere, die mit ihren Menschen mitkommen. Chantal in Berlin etwa kann zwei Ratten, aber keine Menschen aufnehmen. Auch andere offerieren einen Platz nur für Tiere – bis hin zum Pony. Claudi in Friedrichshafen dagegen bietet „for a warm welcome to a family in distress“ ein helles Zimmer mit Bad und Balkon an, geeignet für eine kleine Familie mit Hund – nur wenige Schritte sind es von dort zum Bodensee. Bei so viel Unfrieden in der Welt ist das schon fast das Paradies auf Erden.