Thomas Rappensberger hat schon viel erlebt in seiner Zeit bei der Bayerischen Polizei. Doch dieses Jahr gibt es für ihn und seine Kollegen bisher besonders viele Einsätze in den Bergen. „So früh im Jahr so viele Tote in den Bergen – das ist außergewöhnlich“, sagt der 58-Jährige. Rappensberger leitet die alpine Einsatzgruppe des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Garmisch-Partenkirchen. Die wird immer dann gerufen, wenn zwischen Zugspitze und Benediktenwand Bergwanderer, Kletterer oder Skitouristen verunglücken. Und das sind bis Ostern deutlich mehr gewesen als in früheren Jahren, berichtet er. Bisher seien es bereits 20. „Normalerweise gibt es insgesamt im Jahr 50 bis 60 Bergtote.“ Viele Menschen würden die winterlichen Wegeverhältnisse unterschätzen, glaubt er. Rappensberger appelliert an die Vernunft: „Jeder sollte die Lage genau checken und auf jeden Fall alpintaugliche Bergschuhe anziehen“, rät er. Der Bergretter trifft immer mehr Leute auf Pfaden an, die früher nur von erfahrenen Bergsportlern genutzt worden sind. Stolpern und Ausrutschen sind die banalen Ursachen für einen Absturz.
Privat ist Rappensberger leidenschaftlicher Skifahrer, Kletterer und Bergwanderer. Deshalb ließ er sich auch zum Polizeibergführer ausbilden. „Es ist ein gutes Gefühl, anderen in Not helfen zu können.“ Auch wenn das bedeutet, bei Tag und Nacht und bei jedem Wetter aufbrechen zu müssen – manchmal auch per Polizeihubschrauber. „Diese Einsätze sind körperlich und emotional herausfordernd.“ Fit hält er sich mit Radfahren, Laufen und Klettern. Rund um Zug- und Alpspitze ist er am liebsten unterwegs: „Der Weg mitten hinein ins Hochgebirge ist kurz, das macht mir Spaß.“ Jetzt hofft Rappensberger auf Regen und mildere Temperaturen in den Hochlagen: „Nur so schmilzt endlich der Schnee auf unseren Wegen und das Risiko sinkt.“ Solange aber gilt seine Empfehlung: „Lieber umdrehen als sich in Gefahr zu begeben.“ LUTZ BÄUCKER