Die Eisheiligen starten mit Sonne satt

von Redaktion

München – Mit Mamertus am morgigen Mittwoch geht’s los. Dann folgen Pankratius, Servatius, Bonifatius und die kalte Sophie. Diese fünf christlichen Namenstage vom 11. bis zum 15. Mai sind im Volksmund die Eisheiligen. Und diverse regionale Bauernregeln besagen, dass in diesem Zeitraum die letzten Frostnächte des Frühjahrs drohen. Nur: Heuer ist davon nicht viel zu spüren. Ganz im Gegenteil.

Für den morgigen Mittwoch rechnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit Höchsttemperaturen von bis zu 30 Grad. Hotspot im wahrsten Sinne des Wortes dürfte Unterfranken werden, sagt DWD-Wetterberater Martin Schwienbacher. Aber auch in Oberbayern rechnet er mit Spitzentemperaturen von bis zu 28 Grad. Selbst in der Nacht soll es in den kommenden Tagen nicht kälter als 10 Grad werden. Von Spätfrost keine Spur. „Das ist schon überdurchschnittlich warm für diese Jahreszeit“, sagt der Experte. Aber in der Nacht zum Freitag soll es aber wieder wechselhafter werden, mit Schauern und Gewittern am Wochenende, vor allem an den Nachmittagen.

Doch selbst wenn die Bauernregel in diesem Jahr wohl danebenliegt – ihre Berechtigung hat sie, betont Schwienbacher. „Es ist durchaus richtig, dass nach dieser Phase Spätfröste extrem selten sind.“ Rein meteorologisch betrachtet ist die Frostgefahr aber Anfang Mai noch höher als zu den Eisheiligen. „Aber die Bauernregeln spielen ja darauf an, wann die Frostgefahr wirklich gebannt ist“, sagt Schwienbacher. „Und ab Mitte Mai kann man sich da schon relativ sicher fühlen.“

Für die Bauern selbst spielen die überlieferten Wetterweisheiten über die Eisheiligen heute allerdings gar keine so wesentliche Rolle mehr, wie Stephan Weigand von der Landesanstalt für Landwirtschaft erklärt. Ein später Frost kann zwar massive Auswirkungen haben: Etwa bei den Obstbauern, an deren Bäumen der Frost große Schäden anrichten kann. Oder auch beim Getreide. So erinnert sich Weigand, dass ein Spätfrost zu den Eisheiligen vor zwei Jahren die Blüten der Wintergerste so schädigte, dass von Franken bis Thüringen mehrere tausend Hektar siliert werden mussten statt sie zu dreschen. „Aber mit der Aussaat warten können die Landwirte trotzdem nicht“, sagt der Experte.

Manche Obstbauern versuchen sich aber für Spätfröste zu rüsten: „Wenn es um viel Geld geht, setzen manche auf eine Frostbewässerung“, sagt Weigand. Dabei werden die Blüten der Obstbäume mit feinen Wassertröpfchen besprüht, sodass sich eine schützende Eisschicht bildet. Bei späten Nachtfrösten kann so verhindert werden, dass die Blüten erfrieren.

Für Hobbygärtner hingegen, die sich fragen, wann sie ihre Tomaten- und Zucchini-Setzlinge auspflanzen sollen, sind die Eisheiligen weiter ein hilfreicher Gradmesser, da sind sich die Experten einig. „Meine Oma hat diesen Termin immer abgewartet“, sagt Stephan Weigand. Und die muss es schließlich wissen. DOMINIK GÖTTLER

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