München – Ein eindrucksvolles Plädoyer für die Pressefreiheit hat der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bei der Verleihung der Medienpreise der evangelischen Landeskirche in München gehalten. „Journalisten haben die Aufgabe, die gesellschaftliche Spaltung zu überwinden, Gruppen miteinander ins Gespräch zu bringen und die Welt differenziert darzustellen“, sagte er am Dienstagabend in der Matthäuskirche in München. Journalisten bräuchten dafür eine große Freiheit bei der Themenauswahl und der Recherche.
Institutionen und Parteien müssten es aushalten, „dass Journalisten die Finger in die Wunden legen“. Nur so ließen sich Fehlentwicklungen erkennen und beheben. Die Situation in Russland zeige, was passiere, wenn die Freiheit der Presse nichts mehr gelte. Zugleich rief der Landesbischof die Konsumenten dazu auf, sich die Freiheit der Presse auch etwas kosten zu lassen: „Nutzen Sie nicht nur die kostenlosen Angebote, sondern auch die Qualitätsmedien. Was uns etwas wert ist, darf uns auch etwas kosten.“ Die Kirche und die Journalisten verbinde, dass „wir Menschen des Wortes sind“. Von entscheidender Bedeutung sei es, „wie wir die Worte wählen“.
In Zeiten der Verunsicherung gäben Journalisten die Möglichkeit, sich ein Bild zu machen, betonte die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich. Bei der Flut an Informationen brauche es die Journalisten, damit man die Orientierung nicht verliere. Die beiden Hauptpreise des Wettbewerbs, der in diesem Jahr unter dem Thema „Gesellschaft 2.0 – Wie die Pandemie unser Miteinander verändert“ stand, gingen an Antje Lang-Lengdorff für ihren Artikel in der Tageszeitung „taz“ mit dem Titel „Sabine hofft auf Omikron“ über eine Impfgegnerin und an Lara Fritzsche für den Beitrag „Gift im Kopf“ im SZ-Magazin. Für den Artikel „Die Logik der Konfrontation“, der in der Frankfurter Rundschau (FR) erschienen ist, wurde der Journalist Björn Hayer mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. Insgesamt wurden 120 Beiträge eingereicht. Das war die höchste Zahl an Einsendungen für den Wettbewerb, der bereits zum achten Mal ausgeschrieben worden war. cm