Kein Corona-Bonus für Kita-Personal

von Redaktion

VON CORINNA KATTENBECK

Germering/Söcking – Erziehern und Kinderpflegern haben die Corona-Jahre einiges abverlangt: Notbetreuung, Personalausfälle, Vorschriften, Eltern-Sorgen und kleine Kinder, die die Welt nicht mehr verstanden. Dazu fortwährend neue Regeln von oben. Nach dieser langen Durststrecke hätte der personalgebeutelten Branche eine Finanzspritze gutgetan. Doch inzwischen ist klar: Erzieher, die in kommunalen Einrichtungen arbeiten, bekommen diese steuerfreien 1300 Euro nicht.

„Es wäre eine Wertschätzung in diesen schwierigen Zeiten gewesen“, sagt Felicitas Kopp, Leiterin des städtischen Kindergartens Spatzennest in Germering (Kreis Fürstenfeldbruck). Dass beispielsweise Finanzbeamte im Homeoffice den Zuschlag erhalten, Kita-Mitarbeiter aber nicht, ärgert sie. „Wir waren ja immer an der Front – zwischen Viren und Bürokratie.“ Und der Verwaltungsaufwand war groß. „Manchmal mussten wir mehr Zettel verwalten statt uns mit Pädagogik zu befassen“, berichtet sie. „Freitagnachmittags kamen Informationen, wie es am Montag weitergeht.“ So durfte etwa der Garten nicht mehr gruppenübergreifend genutzt, die Brotzeit nicht mehr geteilt und die Erzieher und Kinder verschiedener Gruppen nicht mehr durchmischt werden.

Dazu kamen Engpässe. Zeitweise musste der Germeringer Kindergarten krankheitsbedingt mit zwei von neun Mitarbeitern auskommen. Für eine Notgruppe reichte es dennoch. „Sämtliche Einrichtungen haben während der Pandemie gelitten“, sagt Kopp. Zumindest habe diese Zeit ihr Team zusammengeschweißt. Nun ist sie froh, dass Test- und Maskenpflicht ein Ende haben und die Pädagogik wieder im Mittelpunkt steht.

Auch im städtischen Maria-Kempter-Kindergarten in Söcking (Kreis Starnberg) hatte man für heuer fest mit der Sonderzahlung gerechnet. „Das war so kommuniziert worden“, sagt Leiterin Gabriele Bödewadt. Selbst die Stadt war als Träger davon ausgegangen. „Nun denkt die Öffentlichkeit, alle Erzieher hätten den Bonus bekommen.“

Wie das Finanzministerium auf Anfrage mitteilt, liegt das an unterschiedlichen Tarifverträgen. Demnach hätten nur Erzieher und Kinderpfleger, die beim Freistaat beschäftigt sind, den Bonus erhalten. Ebenso wie Beamte, Professoren und Richter. Auf gemeindlicher oder städtischer Ebene sieht es anders aus. Laut Kommunalem Arbeitgeberverband gab es bereits Ende 2020 im Sozial- und Erziehungsdienst eine Corona-Sonderzahlung in Höhe von rund 600 Euro. Das galt auch für Bundesbeamte. Die Auszahlung sei als „Leistung des Arbeitgebers zur Abmilderung der zusätzlichen Belastungen durch die Corona-Krise“ zu werten. Eine weitere Zuwendung sei nicht geplant.

Das kritisiert die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nachdrücklich. Da man sich hinsichtlich des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst in der Friedenspflicht befinde, habe es 2021 keine tariflichen Verhandlungen gegeben – auch nicht, um auf eine Sonderzahlung zu pochen. Nun sei es zu spät. „Der Bund hat die Befreiung von Steuern und Sozialabgaben auf eine Bonus-Auszahlung auslaufen lassen“, erklärt Gewerkschaftssekretärin Merle Pisarz.

„Schade“, sagt Gabriele Bödewadt. „Ein Bonus wäre ein tolles Signal und Motivation fürs Personal gewesen. Jetzt sind die Leute frustriert und enttäuscht.“ Auf diese Weise werde mangelnde Wertschätzung signalisiert. Dabei sei von pädagogischem Personal viel mehr gefordert worden als von einem Beamten im Homeoffice. „Wir haben mit Risiko gearbeitet, hatten viele Kontakte, Personal-Ausfälle und wahnsinnig viele Zusatzausgaben, allein die Umsetzung des Hygieneplans war nicht immer leicht.“ Außerdem hätten die Erzieher nicht im normalen Dienstplan arbeiten können, sie mussten flexibel sein und Überstunden machen.

Zumindest zeigten sich die Städte Starnberg und Germering großzügig. Sie schenkten ihren Erziehern einen bzw. eineinhalb Tage Urlaub. „Eine schöne Geste“, freut sich Gabriele Bödewadt. „Eine sehr nette Wertschätzung“, findet Felicitas Kopp.

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