Ausflugsverkehr besser steuern

von Redaktion

VON BEATRICE OSSBERGER UND VANESSA LANGE

Jachenau/Starnberg – Wenn es keinen Platz mehr gibt, dann bleibt die Schranke unten. So ist das Prinzip der neu gebauten Anlage am Südufer des Walchensees. Das automatische Schrankensystem zählt die Fahrzeuge, und da nicht mehr als 1000 Parkplätze zur Verfügung stehen, ist nach 1000 Fahrzeugen Schluss, und die Straße wird gesperrt.

Die Schranke, die vor Kurzem ihren Betrieb aufgenomen hat, ist die Reaktion des Freistaats auf das Verkehrschaos am Walchensee während der Pandemie. An manchen Tagen war die enge Mautstraße mit bis zu 4000 Autos so zugeparkt, dass kein Rettungswagen mehr durchgekommen wäre. „Katastrophale Zuständen waren das“, erinnert sich Rudolf Plochmann, Leiter der Bayerischen Staatsforsten von Bad Tölz.

Hier soll die Schranke nun Abhilfe schaffen. Wenn es dieses Jahr am See voll ist, müssen die Gäste jetzt zu Fuß gehen. Dafür gibt es in der Nähe des Mauthäuschens kostenpflichtige Parkplätze.

Bayerns Ausflugsorte haben aufgerüstet, um künftig Besucherströme besser lenken zu können. Nach Angaben der Allgäu GmbH haben Gemeinden mehr als 90 Förderanträge für Parkleitsysteme eingereicht. Diese sollen „sukzessive über den Sommer“ aufgebaut werden, sagte Geschäftsführer Bernhard Joachim. In Bad Hindelang im Oberallgäu und am Alatsee im Ostallgäu stehen diese Anlagen bereits.

In Garmisch-Partenkirchen ist ein Parkleitsystem der besonderen Art in Planung. Die Auslastung einiger besonders frequentierter Parkplätze soll elektronisch überwacht werden. Die aktuellen Daten soll dann über eine App abrufbar sein. „Die Idee ist“, sagt Daniel Schimmer, Hotelier und Ortsobmann des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, „dass Ausflügler schon vor der Abfahrt nachsehen können, wie voll die Parkplätze sind.“ Und dass sie dann, so hofft der Hotelier, mit der Bahn anreisen.

Mit Stau kennt man sich auch in Starnberg aus. Gerade an schönen Wochenenden droht regelmäßig der Verkehrskollaps. Mit dem Projekt „See and the City“, das am Samstag mit einem Familienfest eröffnet wurde, will die Stadt Starnberg nun die Aufenthaltsqualität am besonders belasteten Bahnhofsplatz verbessern. Autos dürfen den Platz noch befahren, allerdings wurde die Fahrbahn verengt und die Höchstgeschwindigkeit auf 20 km/h reduziert. Es gibt mehr Flächen für Fußgänger, dafür fallen Parkplätze weg. „Es ist ein Testlauf, damit wir lernen, was funktioniert und wo die Fehler sind“, sagte Bürgermeister Patrick Janik zur Eröffnung. Nach Ablauf der Testphase im Oktober wolle man sich Gedanken über eine dauerhafte Umgestaltung machen.

Für weniger Stau sorgt das Projekt allerdings nicht. Auf den Straßen rund um den See herrschte am Wochenende der übliche zähe Ausflugsverkehr. Und Parkplätze waren einmal mehr Mangelware, so etwa beim Seebad. „Wir sind sehr gut besucht“, sagt Rezeptionistin Daniela Ascher. „Der Parkplatz ist voll.“

Artikel 5 von 11