Bühne frei für Blanco

von Redaktion

INTERVIEW Der Entertainer wird heute 85 und freut sich auf die Party

München – Stolze 66 Jahre lang ist Roberto Blanco mittlerweile im Showgeschäft. Der einstige Wahl-Münchner, der jetzt in der Schweiz lebt, wird heute 85 Jahre jung. Seine Frau Luzandra ist mit in Berlin, wo er gerade auf der Bühne steht. Vorbei die Zeit der Affären. „Das war eine schöne, wilde Zeit. Ich freue mich, dass ich sie erlebt habe. Das kann mir keiner nehmen“, sagt Blanco.

Herr Blanco, wo erwische ich Sie gerade?

In Berlin. Ich spiele hier gerade Theater am Haus von Didi Hallervorden. Er hat mir in dieser Zeit seine Wohnung über dem Theater zur Verfügung gestellt.

Heute ist Ihr großer Tag. Wie begehen Sie ihn?

Zuallererst spiele ich Theater. Danach werde ich alle Kollegen und Freunde in den Champagnersaal einladen. Mit Catering, Drinks, einem DJ, denn ich will schließlich tanzen. Aber nur bis zwei Uhr morgens. Dann müssen wir ins Bett, weil wir am nächsten Tag wieder spielen.

Was wünschen Sie sich?

Frieden. Wenn der liebe Gott mir die Kraft geben könnte, dass ich es schaffen könnte, dass der Planet ohne Krieg bleibt. Unter dem Motto leben und leben lassen.

Damit sind Sie Ihr Leben lang gut gefahren.

Ja, so bleib ich auch. Man kann nicht hundertprozentig beliebt sein, das hat nicht mal Christus geschafft (lacht). Man kann auch nicht jeden mögen, aber man muss sich gegenseitig respektieren. Und Respekt habe ich im Internat gelernt.

Ihr Vater war ein Varietéstar und ist durch die Welt getingelt. Ihr Vorbild?

Ja. Er war Vorbild und Motivation. Und Josephine Baker, mit der ich Ende der 1950er tourte. Sie hat mir den Rat gegeben, einen ganz eigenen Stil zu haben. „Man muss dich sofort erkennen“, sagte sie. Und sie hat mich gelehrt, stolz auf meine Hautfarbe zu sein. Mein bestes Marketing war meine Hautfarbe.

Haben Sie nie Rassismus erlebt?

Nein. Ich war im Internat der einzige Farbige – in Beirut wie in Madrid. Man hat mich dort geliebt. Ich war nicht arrogant, sondern freundlich und ein guter Sportler. Ich bin ein positiver Mensch. Natürlich hat man häufiger versucht, meine Karriere zu zerstören.

Wie das?

Man hat mich als pädophil hingestellt, man hat mir Shows gestrichen. Aber das Publikum hält mich hoch, danke! Und dann habe ich auch eine süße Frau.

Glauben Sie an Gott?

Ja. Aber ich bin aus der katholischen Kirche ausgetreten. Als ich mein Haus gebaut habe, kam eine Steuerprüfung. Ich musste nachzahlen. Beim Finanzamt konnte ich abstottern, aber nicht bei der Kirche. Ich lieh mir dann das Geld, bezahlte und trat aus. Interview: Maria Zsolnay

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