„Es war nicht so krass wie erwartet“

von Redaktion

Das Neun-Euro-Ticket wird gut angenommen – Pfingst-Chaos bleibt aber aus

VON N. PRAUN UND F. STEIN

Tegernsee/München – Es ist Sonntagabend am Münchner Hauptbahnhof, zweiter Tag der Pfingstferien, fünfter Tag des Neun-Euro-Tickets. In bunter Freizeitkleidung eilen die Menschen über die Bahnsteige, die noch triefend nass sind vom plötzlichen Regenguss. Leer ist der Bahnhof nicht, aber auch nicht: voll. Die Stimmung ist entspannt. Das sieht man auch Yorik Abel an. Ein riesiges Cello im passenden Koffer lehnt neben ihm, ein Rucksack ist auf den Rücken geschnallt, die Jacke trieft noch ein wenig von Nässe. Trotzdem lächelt er freundlich. „Ich bin heute nach Gmund am Tegernsee gefahren“, sagt der 44-jährige Münchner. „Eigentlich hätte ich heute eine Musikprobe gehabt, ich spiele Cello im Bad Wiesseer Orchester. Die ist aber ausgefallen.“ Was also war naheliegender, als einen netten Ausflug ins Oberland mit dem Neun-Euro-Ticket zu machen?

Dass auf diesen Gedanken ganz Bayern kommen könnte, das waren die großen Befürchtungen vor dem Beginn der Pfingstferien. Die Bayerische Regiobahn (BRB) hatte den Ausflüglern deshalb geraten, gewisse Strecken nicht zu gewissen Uhrzeiten zu benutzen, etwa nicht zwischen 8 und 10 Uhr ins Oberland, an den Ammersee oder in den Chiemgau zu fahren. Zudem sei es ratsam, „lieber mal neue Ziele“ zu erkunden – und wer Pfingstferien habe, könne auch unter der Woche Ausflüge machen.

Vielleicht haben sich die Bayern diese Ratschläge zu Herzen genommen, vielleicht sind viele Familien mit dem Auto in den Urlaub gen Süden gefahren. Freitag und Samstag staute es sich überall auf den großen bayerischen Autobahnen; auf der Autobahn 8 Richtung Salzburg etwa zwölf Kilometer lang, am Samstagnachmittag.

Dagegen blieb in den Zügen und an den Bahnhöfen das große Chaos aus. Ein Bahnsprecher erklärte: „Wie erwartet gab und gibt es regionale Spitzen im Fahrgastaufkommen, insbesondere zu touristischen Zielen.“ Doch überregional verzeichnete die Bahn „insgesamt einen stabilen Bahnbetrieb“. Für eine ausführliche Bilanz sei es aber noch zu früh. „Klar: Die Züge waren voll, teilweise knallvoll“, berichtet Andreas Barth, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn. „Aber ich habe nicht mitbekommen, dass etwas Dramatisches passiert wäre.“

Fabian Amini, Chef der Verkehrsgesellschaft Go-Ahead, die die Züge von München ins Allgäu betreibt, sagt: „Insgesamt war es nicht so krass, wie wir erwartet hatten.“ Zwar seien durchaus viele Züge sehr voll gewesen, einige gar zu „200 Prozent“ ausgelastet. „Doch die Fahrgäste blieben recht entspannt.“ Wie auch der Cellist Abel: „Ich habe einen Schrecken bekommen, als ich an den Bahnhof gekommen bin, weil er so voll war“, erzählt er. „Ich dachte mir: Mein Gott, was ist denn hier los! Doch mein Zug selber war nicht überfüllt.“

Begeistert sind Passagiere jedenfalls von dem Konzept des Neun-Euro-Tickets an sich. „Für mich ist das Ticket ein Traum“, sagt Benjamin Zwick. „Ich habe mir ausgerechnet, dass ich dank des Neun-Euro-Tickets im Monat 130 Euro spare.“ Der 28-jährige Hotelfachmann ist den ganzen Sonntag in seiner Heimatstadt München unterwegs gewesen, will aber mit dem Ticket auch oft zu seiner Freundin nach Stuttgart fahren. „Bis jetzt habe ich selbst auch nichts von überfüllten Zügen mitbekommen. Ich bin glücklich über das Ticket.“

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