München – Wenn man die Zahl der registrierten Schusswaffen in Bayern auf die Einwohnerzahl umlegen würde, hieße dies: Jeder elfte Einwohner hat eine Waffe. Wie das Innenministerium auf eine Anfrage der Grünen im Bayerischen Landtag mitteilte, gibt es in Bayern mehr als 1,211 Millionen registrierte Schießeisen, Stand Ende Dezember 2021. Die Zahl ist nur minimal niedriger als das Jahr zuvor: Ende 2020 waren 1,214 Millionen Gewehre, Pistolen & Co. offiziell gemeldet.
Dabei bleibt der legale Waffenbesitz ein Privileg einer kleinen Minderheit – landesweit gibt es Ende des vergangenen Jahres genau 560 940 Waffenerlaubnisse. Dies ist verglichen mit dem Vorjahr eine leichte Steigerung um 7681 Erlaubnisse (1,37 Prozent). Im Vorjahr lag die Zahl bei 553 259. Landesweit beziffert das Innenministerium die Zahl der privaten Waffenbesitzer auf exakt 207 156. Dies sind 2927 weniger als Ende 2020.
Die Zahlen sind der bayerischen Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze ein Dorn im Auge: „Die Zahl der Waffenerlaubnisse und Waffenbesitzer sowie Waffenbesitzerinnen in Bayern ist weiterhin auf erschreckend hohem Niveau. Dieser Trend zur Selbstbewaffnung ist maximal beunruhigend und führt nicht zu mehr Sicherheit.“ Je mehr Waffen im Umlauf seien, desto höher sei die Gefahr, dass sie in die falschen Hände gerieten.
Schulze appelliert, den Kleinen Waffenschein nur noch zeitlich begrenzt auszustellen – um größere Kontrolle über deren Besitzer zu bekommen. Der Kleine Waffenschein berechtigt zum Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen (PTB-Waffen). Man darf keine Vorstrafen haben und muss mindestens 18 Jahre alt sein.
Sorge bereitet der Partei auch die Zahl der rechtsextremen Waffenbesitzer. Auch wenn diese seit Jahren rückläufig ist, sind 2021 noch 76 bekannte Rechtsextremisten legal im Besitz einer oder mehrerer Schusswaffen. 2018 waren es noch 191 – die Zahl unterliegt aber Schwankungen. Auch die Zahl der Waffenerlaubnisse an Rechtsextremisten ist 2021 gesunken. Bei den Waffenbesitzkarten um 38 Prozent von 57 auf 35 und beim Kleinen Waffenschein um 36 Prozent von 71 auf 45.
Das ist für Schulze nicht ausreichend. Sie kritisiert: „Die Entwaffnung der rechtsextremen Szene läuft nach der Verschärfung des Waffenrechts 2021 leider nur schleppend – immer noch gibt es 76 Waffenbesitzer und Waffenbesitzerinnen sowie 80 Waffenerlaubnisse in Bayern in der rechtsextremen Szene. Hier erwarte ich von der Söder-Regierung endlich konsequentes Handeln“, betonte die 36-Jährige. Die schnelle Entwaffnung der rechtsextremen Szene müsse Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zur Chefsache erklären. dpa