Assenhausen – „Hallo Papa! Ich habe mein Handy verloren.“ So oder ähnlich beginnen WhatsApp-Nachrichten, mit denen derzeit Betrüger reihenweise vor allem ältere Menschen um viel Geld bringen. An einem Rentner aus Assenhausen im Landkreis Dachau haben sie sich allerdings die Zähne ausgebissen.
„Im ersten Moment hab’ ich das fast geglaubt“, erinnert sich der 63-jährige Rentner Josef Reischl an den Moment, als er am Dienstagabend die Whatsapp-Nachricht bekam, in der sich jemand als seine Tochter ausgab. Da hieß es weiter: „Ich benutze mein altes handy und habe eine neue nummer. Du kannst mein alte nummer löschen und diese nummer speichern.“ Dazu ein Herz-Emoji.
„Man fühlt sich ja schon direkt angesprochen“, sagt Reischl. Doch ihm kamen die Rechtschreibfehler komisch vor. „Aber in der Eile des Gefechts kann das schon mal passieren“, sagt er. Dann folgte die Frage: „Hast du eine moment zeit oder bist du beschäftigt?“ Klar hat Reischl Zeit für seine Tochter, aber dann kommt der Betrüger zur Sache: „Ich schäme mich, das zu fragen. Ich musste vor heute zwei bezahlungen überweisen aber weil mein handy jetzt kaput ist kan ich nicht in meine apps. Könntest du das für mich überweisen dan bekommst du das morgen sofort zurück.“ Reischl antwortet auf Bairisch: „Geht scho“.
Dann gibt die angebliche Tochter die Zahlungsanweisungen durch: 1400 Euro an ein Konto bei der Solarisbank, einer Online-Bank. Jetzt will Reischl endgültig wissen, was da los ist. Er fragt seine angebliche Tochter per WhatsApp, ob sie ihn anrufen könne. Antwort: „Es ist nicht möglich, anrufe zu machen, um diese handy.“ Reischl wird es zu bunt, er ruft seine echte Tochter auf ihrer alten Nummer an – und sie nimmt ab. Die Geschichte mit dem verlorenen Handy war gelogen. „Ich habe dann die Polizei verständigt“, sagt Reischl. Das schrieb er auch der unbekannten Nummer, die sich ab da nicht mehr meldete.
Reischl hatte den Spieß umgedreht und die Betrüger reingelegt. Ein Rentner aus Krailling im Landkreis Starnberg, Mitte 80, war hingegen auf die WhatsApp-Masche Masche hereingefallen: „Ich saß gerade in der S-Bahn, als ich die WhatsApps bekam“, berichtet er unserer Zeitung. Die Nachrichten sind fast identisch mit denen, die Reischl bekam. Der Kraillinger hat über 2180 Euro an ein Konto bei der N26-Bank überwiesen, ebenfalls eine Online-Bank. Ihm war die Geschichte erst seltsam vorgekommen, als er das Geld schon überwiesen hatte. Er meldete sich erst nach der Überweisung bei seiner echten Tochter, aber da war das Geld schon weg.
Der Rentner stellte Strafanzeige und meldete den Betrug seiner Bank und hofft, dass er den Betrag zurückerstattet bekommt. Aber das dürfte schwierig werden. In Deutschland wurden bereits Tausende Opfer der Whats-App-Masche. Mehrere Online-Banken, über die der Betrug abgewickelt wird, sind inzwischen im Visier der Finanzaufsicht. JOHANNES WELTE