München – Es sind Menschen, die „dem Ehrenamt alle Ehre“ machen, wie es die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner (CSU), umschrieb: 44 Bürgerinnen und Bürger erhielten am Freitag im Maximilianeum den Bayerischen Verfassungsorden – Menschen, die sich unter anderem für Schutzbedürftige wie Behinderte oder Kinder einsetzen, der bayerischen Kultur einen besonderen Dienst erweisen oder sich kommunalpolitisch hervortun. Einer bekam die Ehrung vorab, fünf der 50 Preisträger werden ihren Orden zu einem späteren Zeitpunkt erhalten. Darunter auch Angela Merkel.
Doch auch ohne die Ex-Kanzlerin hatte die festliche Veranstaltung mit Streichquartett namhafte Gäste. So erhielt einen Orden Professorin Alena M. Buyx, die im Deutschen Ethikrat sitzt. Sie ist nicht nur vollapprobierte Ärztin, sondern hat auch weitere Abschlüsse in Ethik und Philosophie. Sie wurde von Ilse Aigner für ihre Expertise gelobt. Buyx kann Erkenntnisse klug und verständlich zur Sprache bringen, so Aigner. Für die frühere Spitzensportlerin Viktoria Rebensburg war es nicht der erste Preis in ihrem Leben: Über 40 Medaillen konnte die Skirennläuferin abräumen. Der Bayerische Verfassungsorden ist trotzdem etwas Besonderes, denn er, so Rebensburg, „hat mit meinen sportlichen Erfolgen nicht direkt was zu tun“.
Die 32-Jährige engagiert sich sozial, schon 2015 initiierte sie das Projekt Fit & Aktiv, bei dem die Gesundheit von Kindern im Mittelpunkt steht. Gemeinsam mit ihrem Team setzt sie sich dafür ein, Kinder für gesundheitsbewusstes Verhalten zu sensibilisieren. Besonders lang hält der Applaus für Fadumo Korn an, deren Geschichte erschüttert und zugleich Mut macht. Sie wurde mit sieben Jahren in Somalia beschnitten. Von ihrer Familie getrennt kam sie 1979 nach Deutschland. Die 58-Jährige kämpft weltweit für mehr Aufklärung und die Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung. Ilse Aigner sagt vor der Übergabe des Verdienstordens: „Mit ihrem Mut gibt sie den aus Angst schweigenden Frauen und Mädchen eine Stimme – eine starke, eine furchtlose Stimme.“ Ihr langjähriger persönlicher Einsatz für Menschenrechte und Bildung sei herausragend.
In Erinnerung bleiben wird auf jeden Fall Hans Well. Denn der Volksmusiker ergriff kurzerhand auf der Bühne selbst das Wort – und erntete großen Applaus. Vorab lobte Aigner den bekannten Musiker, der mit seinen Brüdern einst die Biermösl Blosn gründete, für seine Satire und seine gesellschaftliche Kritik. Und die stellte Well prompt unter Beweis: Nach der Übergabe des Verfassungsordens sagte der 69-Jährige, er wolle sich bedanken, da die Bayerische Verfassung eine sehr gute Verfassung sei. Well schilderte, dass er selbst bis vor nicht allzu langer Zeit vom Bayerischen Verfassungsschutz beobachtet worden sei. Insbesondere deswegen sei der Preis eine Genugtuung. Doch damit nicht genug, Well weiter: Es wäre für den Freistaat Bayern wesentlich günstiger gewesen, „wenn man den Herrn Nüßlein, den Herrn Sauter oder die Frau Tandler oder Hohlmeier beobachtet hätte“. Die angesprochenen Politiker aus der CSU, der auch die neben Well stehende Aigner angehört, stehen im Zentrum der Masken-Affäre.
Aigner reagierte nicht auf den Kommentar und begann mit der Anmoderation des nächsten Ordens-Kandidaten. Als Letzter bekam Theo Zellner seinen Orden überreicht. Über ihn heißt es, er habe sich „durch vielfältiges kommunalpolitisches sowie durch jahrelanges ehrenamtliches Engagement große Verdienste“ erworben. Zellner war unter anderem Bürgermeister, Landrat und Präsident des Bayerischen Landtages, des Bayerischen Sparkassenverbandes und des BRK. Mit dem Orden wolle man nicht nur danken, sagte Aigner, sondern auch die Ordensträger in die Pflicht nehmen, für die Verfassung und die Mitmenschen einzustehen. PETER SCHLINGENSIEF