Schon 2015 hatte der Garmischer Maurermeister Bernhard Raubal (55) seine Wiese den Gipfelgegnern verpachtet. Auch dieses Mal lässt er sie ihr Camp dort aufschlagen. Mit den Demonstranten habe er nur positive Erfahrungen gemacht, betont er. Vor Anfeindungen oder Ausschreitungen hat er keine Angst.
War es für Sie eine gute Nachricht, dass der G7-Gipfel wieder in der Region stattfindet?
Nein, war es nicht. Mir wäre es lieber, der G7-Gipfel würde transparenter stattfinden – und es würden dafür nicht so enorme Summen ausgegeben, während gerade so viele Menschen wegen der Inflation sparen müssen. Der Gipfel in Schloss Elmau ist überdimensioniert.
Beim letzten Gipfel sind Sie dafür angefeindet worden, dass Sie Ihre Wiese den Demonstranten zur Verfügung gestellt haben. Haben Sie dieses Mal bei der Entscheidung mit sich gerungen?
Nein, gar nicht, es stand für mich sofort fest, dass ich sie wieder verpachten werde. Wir waren uns schnell einig. Wir leben in einer Demokratie – da ist das Demonstrieren ein Grundrecht. Ich wollte den jungen Leuten eine Plattform bieten, damit sie ihre Meinung kundtun können. Als ich gehört habe, dass einige Bürgermeister angekündigt haben, Gülle auf die Wiesen zu geben, damit dort niemand campen kann, stand meine Entscheidung fest.
Gab es wieder Anfeindungen, als Ihre Entscheidung bekannt wurde?
Nein, bisher nicht. 2015 war es ganz schlimm. Ich habe die Wiese vor etwa zwölf Jahren gekauft und wollte damit etwas Sinnvolles machen. Ein Camp für die Demonstranten bietet sich an, wenn wir so einen Gipfel vor der Haustür haben.
Sehen Sie sich selbst als Gipfel-Rebell?
Ein Rebell ist ja per se nichts Schlechtes. Nach dem Gipfel 2015 habe ich vom humanistischen Verein einen Preis für Zivilcourage bekommen. Diese Auszeichnung hat mich sehr gefreut.
Welche Erfahrungen haben Sie 2015 mit den Demonstranten gemacht?
Zeitweise waren bis zu 2000 Menschen auf der Wiese, alles lief friedlich ab, ich habe nur gute Erfahrungen. Die Wiese habe ich picobello zurückbekommen, da lag kein einziger Zigarettenstummel mehr nach dem Gipfel.
In München haben bereits die ersten Polizeiautos gebrannt. Fürchten Sie Ausschreitungen vor Ort?
Man weiß ja nicht, wer die Polizeiautos angezündet hat. Das müssen nicht Gipfel-Gegner gewesen sein. 2015 haben bei uns viele Leute ihre Läden mit Sperrholzplatten zugenagelt, weil sie Angst hatten, es könnte so schlimme Ausschreitungen wie in Heiligendamm geben. Dann war alles ganz friedlich. Ich glaube, dieses Mal sind wir alle gelassener.
Welche Vorbereitungen treffen Sie vor Ort?
Meine Pächter kümmern sich um alles. Ich habe nur einen großen Wassertank und Bierzeltgarnituren besorgt, den Rest bringen die jungen Leute mit. Sie kennen eine Rockergruppe, die Waschtische und Zelte organisiert. 2015 war jeden Tag das Landratsamt beim Camp, um alles zu überprüfen. Es wurde nie etwas beanstandet.
Wo werden Sie die Gipfel-Tage verbringen?
Ich habe vor, beim Camp vorbeizuschauen. Am Sonntag laufe ich vielleicht bei dem Marsch mit. 2015 war ich auch beim Camp, das waren alles sehr angenehme Leute. Das haben nach und nach auch viele Einheimische gemerkt. Ich kann die Demonstranten gut verstehen. Es kann doch niemand nachvollziehen, warum unsere Politiker einen so teuren Gipfel machen müssen. Es wird viel geredet, aber sie werden nichts beschließen.
Interview: Katrin Woitsch