Koffer-Stau am Flughafen München

von Redaktion

Abfertiger am Limit: Mehrere Tausend Gepäckstücke bleiben über Tage liegen

VON DIRK WALTER

München – Am Flughafen München sind mehrere tausend Gepäckstücke und Koffer liegen geblieben, zum Teil seit Tagen. Sie stammen von Umsteigern, die den Flughafen München als Drehscheibe nutzen und weiter fliegen. Das Abfertigungspersonal kommt mit dem Be- und Entladen der Maschinen im Einzelfall nicht hinterher, bestätigt der Flughafen.

Am Vorfeld des Terminals 1 und in einer benachbarten Halle stauten sich in den vergangenen Tagen die Trolleys, randvoll beladen mit Koffern. Das fiel auch Mitarbeitern der Flughafen GmbH (FMG) auf, die unserer Zeitung Fotos schickten. Es fehle an Personal bei den Abfertigern, heißt es. „Die Leute fliegen weiter, aber ohne ihr Gepäck“, sagt ein Beschäftigter. „Da herrscht Chaos.“

Der Flughafen will Personalengpässe nicht bestätigen. Aktuell gebe es keine „Personallücke“, sagt Airport-Sprecher Ingo Anspach. An zwei Firmen ist das Be- und Entladen der Maschinen delegiert: Die FMG-Tochter Aeroground mit gut 2000 Beschäftigten, davon etwa 1700 Abfertiger, hat in der Corona-Krise Personal abgebaut. Dennoch habe sie noch 85 Prozent der Belegschaftsstärke im Vergleich zum Vorkrisenniveau, sagt Anspach. Dabei erreiche das Flugaufkommen derzeit noch weniger als 80 Prozent des Vorkrisenniveaus. Auch das Unternehmen Swissport Losch ist mit der Flugzeug-Abfertigung beauftragt – bei der Firma sollen die Probleme erheblich sein.

Nicht nur am Flughafen München ist sozusagen Feuer unterm Dach. Nach Berichten über Chaos an etlichen deutschen Airports will die Bundesregierung ausländische Hilfskräfte einfliegen, vor allem aus der Türkei. Sie sollen, so hieß es von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gestern, nach Tarif bezahlt und „menschenwürdig“ untergebracht werden. Deutschkenntnisse seien nicht vonnöten, doch wegen der Sicherheitsrelevanz ist eine strenge Zuverlässigkeitsüberprüfung unabdingbar, wie Bundesinnenministerin Nancy Faeser erklärte.

Doch der Flughafen München kann nicht warten, bis Hilfskräfte aus dem Ausland ankommen. Angeblich sollen jetzt Fremdfirmen wie der Dienstleister Wisag kurzfristig einspringen. Der gesamte europäische Luftverkehr sei „durch erhebliche Unregelmäßigkeiten in den Betriebsabläufen beeinträchtigt“, sagt FMG-Sprecher Ingo Anspach. Da stoße auch Aeroground an Grenzen. Flug-Verschiebungen könnten dazu führen, „dass kurzfristig kein Personal für eine bestimmte Beladung verfügbar ist“, sagt er. Um weitere Verspätungen zu vermeiden, werde in einzelnen Fällen durch die Fluglinie entschieden, „dass das Flugzeug nur mit den Passagieren an Bord und ohne Gepäckzuladung startet“. So einen Fall erlebte am vergangenen Freitag der Münchner Anwalt Stefan Kastel, der mit einer Lufthansa-Maschine nach Budapest abhob – ohne zu wissen, dass sein Koffer in München blieb (wir berichteten in einer Teil-Auflage).

So kommt es zum Koffer-stau am Terminal 1. Es sei „richtig, dass derzeit größere Mengen an Gepäck in München zur weiteren Abarbeitung zwischengelagert werden“, bestätigt der Sprecher. Mehr noch: München sei auch eine Art Zwischenlager für „mehrere Tausend Gepäckstücke“ von anderen Flughäfen, die ins Erdinger Moos geflogen werden, „damit eine zentrale Abarbeitung aus dem Drehkreuz München heraus erfolgen kann“.

Um künftig gewappnet zu sein, will Aeroground Personal einstellen. Sprecher Anspach berichtet von „intensiven Rekrutierungsmaßnahmen“. Kritiker sagen allerdings, der Flughafen müsse beim Lohn zulegen – und verweisen auf den Flughafen Frankfurt, der soeben 14 Prozent mehr Geld und eine Einmalzahlung von 700 Euro für die 3500 Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste der Fraport-Tochter Fraground billigte.

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