Rottach-Egern/München – Um 21 Uhr am Sonntag herrscht traurige Gewissheit: Der 17-Jährige, der am Samstag auf dem Tegernsee mit einem Kajak gekentert ist, ist tot. Der Sohn stirbt beim Angelausflug mit dem Vater – ein furchtbares Unglück. Vielleicht kann die Obduktion klären, warum der Jugendliche wohl nicht um Hilfe rief, warum niemand auf dem See das Kentern bemerkte, warum er nicht zum nahen Ufer schwimmen konnte. Die Kriminalpolizei ermittelt.
Fest steht: Bei der Suche nach dem 17-Jährigen aus Emmering im Kreis Fürstenfeldbruck kam modernste Technik zum Einsatz – ohne die wäre der Vermisste wohl nicht so schnell gefunden worden. Die Sicht im See war durch den Regen vor dem Unglück äußerst schlecht. Und die Fundstelle am Grund des Sees – 100 Meter vom Rottach-Egerner Ufer entfernt – war nach Angaben der Retter „sehr tief“. Zentral bei der Suche waren Tauchroboter, auch Unterwasserdrohnen genannt. Zwei Geräte durchschwammen den See. Der Tauchroboter einer Privatfirma, die im Auftrag der Polizei unterwegs war, spürte den Leichnam letztlich auf. Eine neue Technik, die die Rettung von Ertrinkenden und die Bergung von Vermissten revolutionieren könnte – auch wenn sie aufgrund hoher Kosten (48 000 Euro pro Gerät) längst nicht flächendeckend im Einsatz ist. Der Vorteil: Die Drohne, die mit einem aufgesteckten Navigationsgerät präzise vom Ufer aus gesteuert werden kann, sieht „deutlich besser als das menschliche Auge“, sagt DLRG-Sprecher Michael Förster. Für Taucher ist ein Tauchgang im trüben Wasser mühsam und gefährlich, ab einer Tiefe von 30 Metern ist aus Sicherheitsgründen erst einmal Schluss – und ein Taucher braucht auch Pausen.
Anders als in den meisten Fällen wussten die Rettungskräfte bei dem Unglück auf dem Tegernsee zumindest grob, wo sie nach dem Vermissten suchen sollen. Eine Webcam hatte kurz vor dem Kentern eine Aufnahme von dem Jugendlichen auf dem See gemacht. Ein Sonargerät machte drei mögliche Stellen aus. Und die technische Hundestaffel, die mit vier Tieren auf dem See unterwegs war, hatte ebenfalls am späteren Fundort angeschlagen. In anderen Fällen ist der Suchradius viel größer. Dann beginnt eine intensive Suche mit hohem Personalaufwand.
Sind Taucher nötig, müssen diese sich erst rüsten, das Boot für ihren Transport muss vorbereitet, die Ausrüstung überprüft werden. Das dauert. Doch ist eine Person gerade erst untergegangen, drängt die Zeit. Eine Unterwasserdrohne kann innerhalb von ein bis zwei Minuten ins Wasser gehen – manche haben sogar einen Greifarm, um eine Person an die Wasseroberfläche zu ziehen.
Die Wasserwacht in Bayern hat zwölf Geräte (manche mit Greifarm, manche ohne) im Einsatz, die DLRG sechs. Eine ist am Starnberger See stationiert, der für Taucher als besonders attraktiv gilt. Die restlichen wandern durch den Freistaat, damit DLRG-Mitglieder ihren Einsatz üben können. Ansonsten werden sie in Neumarkt und Nürnberg aufbewahrt. Das DLRG-Gerät, das den toten Emmeringer suchte, wurde am Samstag am Nürnberger Hafen gerade dem Innenminister Joachim Herrmann (CSU) präsentiert – dann wurde die Drohne zum Tegernsee gebracht.