München – Kältere Schwimmbäder, ausgeschaltete Ampeln und die Reaktivierung von alten Ölbrennern. Die Städte und Gemeinden in Bayern planen eine Reihe von Maßnahmen, um den steigenden Energiepreisen wegen des Krieges in der Ukraine und einem befürchteten Gasmangel im kommenden Winter entgegenzuwirken. Ein Überblick über die Pläne in einigen der großen Städte des Freistaates.
München
Die aktuelle Krise hat dazu geführt, dass in den Münchner Freibädern und bei den Außenbecken der Hallenbäder die Mindesttemperatur abgesenkt wurde, um Energie einzusparen. Außerdem wird die Umstellung des Heizkraftwerks Nord auf Gasbetrieb verschoben. Der dortige Kohleblock soll zunächst weiter mit Steinkohle laufen und eventuell sogar die Produktion ausweiten. „Der Block ist sehr leistungsfähig und könnte mehr Wärme und Strom erzeugen als in den vergangenen Jahren“, sagte Pressesprecherin Gesine Beste.
Bei anderen Kraftwerken würden die Münchner Stadtwerke nun zwei eigentlich schon stillgelegte Ölbrenner reaktivieren. „Die Ölreserven hierfür werden gerade aufgebaut“, erläuterte Beste. Die Landeshauptstadt beobachte die aktuelle Entwicklung genau, um in Zukunft mit weiteren Maßnahmen schnell handeln zu können.
Nürnberg
In der fränkischen Metropole wurde das Kommunale Energie-Management beauftragt, eine Liste von Einspar-Ideen zu erarbeiten. Mögliche Maßnahmen seien, die Beleuchtung historischer Bauwerke einzuschränken, die Straßenbeleuchtung zu reduzieren oder den Verbrauch von Warmwasser zu beschränken, sagte Sprecher Andreas Franke. Ein weiterer Ansatz ist in Nürnberg, die Mitarbeiter künftig wieder verstärkt von zu Hause arbeiten zu lassen, um Raumkosten zu sparen. „Bestandteil wird sicher sein, in der Stadtverwaltung noch einmal intensiv für das Energiesparen zu werben“, meinte Franke. Als einen ersten Schritt wird die Stadt ab Mitte Juli bis Ende September drei von vier Hallenbädern schließen. Die Öffnungszeiten der Freibäder würden in dieser Zeit dafür verlängert. Die Bäderschließung soll auch für Instandhaltungsarbeiten genutzt werden.
Augsburg
In Bayerns drittgrößter Stadt hat die Verwaltung ausgerechnet, dass die kommunalen Energiekosten von bislang 16 Millionen Euro um etwa 80 Prozent in diesem Jahr in die Höhe schießen könnten. Die Stadt hat nun Maßnahmen beschlossen, um den Gasverbrauch zu reduzieren.
Dazu zählt, dass auf Fassadenbeleuchtung weitgehend verzichtet wird. Auch Brunnen werden abgeschaltet. Nur die drei Monumentalbrunnen, die zu der von der Unesco zum Welterbe erklärten historischen Augsburger Wasserwirtschaft zählen, laufen noch weiter. Auch der beliebte abendliche „Lichterzauber“ im Botanischen Garten wird eingeschränkt, indem der Garten nun an den Samstagen nur noch bis 22.30 Uhr beleuchtet wird.
Bei den Augsburger Freibädern wurde die Wassertemperatur um insgesamt zwei Grad reduziert, dies soll später auch für die Hallenbäder gelten. Die Straßenbeleuchtung wird künftig gedimmt. Wie die Stadt weiter berichtete, wird derzeit mit der Polizei geklärt, ob auch Ampelanlagen abgeschaltet werden können. Zudem wird schon überlegt, welche Behörden in den Weihnachtsferien eventuell nicht wie sonst üblich geöffnet werden müssen.
Regensburg
Die Oberpfälzer Domstadt hat bereits am 1. April erste Maßnahmen umgesetzt. Damals seien in den Schwimmbädern die Wassertemperatur in den Becken verringert und Spül- sowie Duschintervalle reduziert worden, sagte Sprecherin Dagmar Obermeier-Kundel. „Die Außenbecken werden derzeit nur durch die Sonne beheizt.“ Weitere bereits veranlasste Maßnahmen seien die Absenkung der Heiztemperaturen in Büros und Sporthallen sowie das mobile Arbeiten der städtischen Bediensteten. Darüber hinaus werden auch in Regensburg das nächtliche Abschalten von Ampeln und die Reduzierung von Außenbeleuchtung geprüft.
Würzburg
Die unterfränkische Großstadt bereitet einen Notfallplan vor, der ein ganzes Bündel von Maßnahmen enthält. Dazu zählt beispielsweise auch die Absenkung der Temperatur in den Verwaltungsgebäuden oder die Zusammenlegung von Dienststellen. Mitarbeiter sollen motiviert werden, wieder verstärkt im Homeoffice zu arbeiten. Nach einem vor wenigen Tagen gefassten Stadtratsbeschluss könnten auch in Würzburg die Schwimmbadtemperaturen gesenkt und die Straßenbeleuchtung eingeschränkt werden.
Passau
In Niederbayern hat der Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) alle städtischen Referate und die Tochtergesellschaften beauftragt, bis 1. August Vorschläge auszuarbeiten. In der heutigen Zeit könne die Kommune ihre Einrichtungen wie die Eis-arena, eine Sauna oder das warme Lesezimmer in der Bücherei nicht uneingeschränkt betreiben. „Aus diesem Grund werden alle Bereiche uneingeschränkt unter die Lupe genommen“, sagte der Oberbürgermeister. Denkbar seien eingeschränkte Öffnungszeiten und abgesenkte Raumtemperaturen. Es werde keine Tabus geben, betont die Passauer Verwaltung.