München – Wer was auf sich hält, hat seine eigene Uhr. Aber während Superstars wie George Clooney und Daniel Craig nur Markenbotschafter sein dürfen, hat Leopold Prinz von Bayern (79) seinen eigenen Zeitmesser entworfen – einen opulenten Chronografen mit einem „blaublütigen“ Ziffernblatt, wie er scherzt. Zusammen mit Juwelier Max Heiden tüftelte die Königliche Hoheit zwei Jahre an der Entwicklung und dem Design. Wobei Poldi genau wusste, was er will: Die Uhr muss ihm als Rennfahrer beste Dienste leisten. Das heißt: Millisekunden genau ticken, wasserdicht sein und die Sekunden bis zum Start rückwärts anzeigen. Denn am Steuer seiner PS-Boliden fühlt sich der 79-Jährige noch immer am wohlsten. Als er die Uhr jetzt in München vorstellte, sprach er mit uns über die Zeit, die ihm noch bleibt und sein Vorbild Ludwig II.
Jetzt haben Sie praktisch Ihre eigene Zeit …
Zeit ist und war bei uns in der Familie immer wichtig. Früher, bei meinem Großvater, wenn wir unpünktlich waren, hat es fast eine Watschn gegeben. Er hat mir eingebläut, du musst pünktlich sein! Das hat mich so geprägt, da war ich acht oder neun. Jetzt bei der Entwicklung habe mir überlegt, was muss die Uhr mir alles bieten? Ich kann mit ihr Rallyes fahren, kann sie aber auch täglich benutzen.
Wann haben Sie Ihre erste Uhr bekommen?
Mit zwölf, zu meiner Kommunion. Mein Patenonkel, Graf Douglas, hat mir meine erste Uhr geschenkt. Ich war total stolz darauf. Sie war sehr wertvoll, aus Gold mit Mondphasen im Ziffernblatt. Aber: Im Sommer, wie wir zum Zelten gefahren sind, hab ich sie verloren. Es war mir wahnsinnig peinlich, ich habe es meinem Onkel nicht sagen wollen.
Die sollten Sie jetzt auch nicht verlieren, immerhin kostet sie knapp 3000 Euro.
Und es gibt nicht so viele davon, 100 Stück, es ist eine limitierte Auflage. Die Nummer 007 ist schon weg, genauso wie meine Startnummer damals von Le Mans, Nummer 46. Sie ist wirklich etwas Besonderes: Das Bayrisch-blau ist an meine Familie angelehnt. Hier, auf dem Zifferblatt, ist mein Helm drauf und darunter meine Unterschrift. Mir persönlich war auch wichtig, dass die Uhr wasserdicht ist. Obwohl ich kein so großer Schwimmer bin und mich nicht weit vom Ufer weg traue.
Warum? Haben Sie Angst?
Ich bin wirklich mal fast ertrunken. In England, im Internat, als ich ein paar jungen Mädchen imponieren wollte. Beim Kanufahren bin ich im Kanal gekentert, wollte noch an Land schwimmen, aber dann habe ich einen Schlag auf dem Kopf von dem Kanu bekommen. 30 Meter vom Ufer entfernt bin ich untergegangen, zum Glück hat es der Lehrer gesehen und mich rausgezogen. Er hat mich wiederbelebt. Seitdem habe ich immer lieber Grund unter meinen Füßen.
Und auch lieber warmes Wasser.
Seitdem ich am Starnberger See wohne, war ich vielleicht dreimal drin (lacht).
Legen Sie denn die Uhr auch mal ab?
Nein, ich habe sie immer an, beim Sport, beim Duschen, sogar in der Nacht. Ich wache oft auf, dann schau ich drauf und weiß, okay, ich kann noch weiterschlafen. Zum Smoking oder zum eleganten Anzug habe ich eine andere, schmalere Uhr.
Was bedeutet Ihnen Zeit?
Im Motorsport – ich fahre ja seit 60 Jahren – habe ich immer mit der Zeit gelebt. War sie gut, war ich zufrieden oder andersherum. Und ich bin immer pünktlich. Jeder weiß, wenn ich sage, ich komme um zwölf Uhr, dann bin ich auch um zwölf Uhr da.
Sie werden nächstes Jahr 80 – läuft Ihnen die Zeit davon?
Ja, schon, ich kann nicht mehr planen und sagen, ach, das mach ich in 20 Jahren noch. Ich denke jetzt in Fünf-Jahres-Kategorien. Aber ich würde gerne mal in einer Zeitmaschine reisen, zurück in die Zeit von Ludwig II. Ich finde ihn faszinierend.
Wie werden Sie Ihren runden Geburtstag feiern?
Ich weiß es noch nicht genau. Nur die Familie oder groß, wie zum 60. mit 500 Leuten. Aber damals waren 100 beleidigt, weil sie nicht eingeladen waren (lacht).
Das Interview führte Maria Zsolnay.