München – Es war ein freundschaftliches Gespräch. Das betonten Markus Söder (CSU) und Tschechiens Premierminister Petr Fiala bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Der Besuch des Ministerpräsidenten in Prag war angesichts der russischen Aggressionen geprägt von der Suche nach Gemeinsamkeiten. In diesen Zeiten gelte es, sich in Europa „unterzuhaken“, sagte Söder. Und so hatte er auch ein Geschenk im Gepäck. Bayern wird einen höheren Öldurchlauf über die Transalpine Pipeline aus Triest in das Nachbarland ermöglichen, verkündeten die Politiker. Für Fiala eine „hervorragende Nachricht“. Auch in Prag freut man sich gerade über jeden kleinen Schritt, der die Energieabhängigkeit von Moskau ein wenig verringert.
Über das Thema Gasversorgung habe man „selbstverständlich“ ebenfalls gesprochen, sagte Fiala. Und Söder betonte: „Wenn Nord Stream 1 dauerhaft ausfällt, stehen wir vor einer echten Bewährungsprobe.“ Mit deutschen Debatten übers Warmduschen sei es dann nicht getan. Er dankte Tschechien dafür, dass es mit seinem Setzen auf Kernenergie ein Beispiel gebe. Söder drängt seit Monaten darauf, auch die verbliebenen deutschen Atomkraftwerke zunächst weiterlaufen zu lassen.
Doch es herrscht nicht nur Einigkeit zwischen Prag und München. Den tschechischen Plan, in Grenznähe zu Bayern ein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll bis 2065 zu bauen, sehe man „etwas skeptisch“, kritisierte Söder vorsichtig. „Wir haben da einfach Sorgen, weil es sehr nah am Grenzbereich ist“, sagte Söder, der sich eine fachliche Entscheidung und eine engere Beteiligung an Prozess wünscht. „Wir fänden einen Prozess der Information über die Situation sehr wichtig.“ Oder noch besser: „Ein anderer Standort könnte uns glücklicher stimmen.“
Fiala ließ sich zunächst nicht in die Karten schauen. Man nehme die bayerischen Befürchtungen zur Kenntnis, sagte er.
Tschechiens Premier lässt sich nicht in die Karten schauen