Feuerwehren trotzen dem Trend

von Redaktion

München – Die Angst vor dem Feuer zählt zu den Urängsten. Der Mensch fürchtet sich davor, Leib und Leben, Hab und Gut bei einem Brand zu verlieren. Damit dies nicht geschieht, existieren seit der Antike Feuerwehren. Der Berufsstand genießt bei der Bevölkerung hohes Ansehen, und die Frauen und Männer, die versuchen, zu löschen, zu retten und zu bergen hohe Vertrauenswerte. Allerdings geht seit Jahren in Deutschland die Zahl der Einsatzkräfte, betroffen sind von diesem Trend vor allem die Berufsfeuerwehren, zurück.

„Uns fehlen etwa ein Siebtel der Leute“, sagt Arno Dick, Gewerkschaftssekretär des Fachvorstands Bereich Feuerwehr bei Verdi in Berlin. Dafür gebe es eine Vielzahl an Gründen. Unter anderem, dass bis zu 48 Wochenstunden nicht besonders attraktiv sind. Der mancherorts vorhandene Personalmangel führe dazu, dass weitere Feuerwehrleute den Beruf verlassen, sagt Dick. Als Grund werde meist die zu hohe Arbeitsbelastung genannt. Aktuell fehlen in Deutschland ungefähr 5000 Feuerwehrmänner und -frauen. Bis zum Jahr 2025 muss diese Lücke gefüllt werden, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sagen Experten.

In Bayern gehen die Uhren anders als in anderen Teilen der Republik – wieder einmal und zum Glück für die Bevölkerung. Die Angst, es brennt und keiner kommt, man braucht sie nicht zu haben. Seit Jahren sind die Zahlen der aktiven Mitglieder, vor allem bei den Freiwilligen Feuerwehren, konstant. Sie hat sich bei etwas mehr als 316 000 eingependelt. Die Gesamtzahl liegt bei rund 330 000. „Regional kann es Unterschiede geben“, sagt Johann Eitzenberger, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbands (LFV), der gleichzeitig als Kreisbrandrat von Garmisch-Partenkirchen weiß, wie es an der Basis ausschaut. „Bei der Jugend steigen die Zahlen, bei den Frauen gibt es sogar einen kleinen Boom“, erklärt Eitzenberger.

Der Zustrom zu den Freiwilligen Feuerwehren ist vor allem in Oberbayern ungebrochen. Sie funktionierten dort, „wo die Menschen innerhalb des eigenen Wohnorts auch arbeiten und im Notfall vom Arbeitgeber freigestellt werden“, meint Verdi-Experte Dick. „Wir haben keine Probleme“, sagt Florian Krammer, Kommandant der Murnauer Einsatzkräfte. „Ab- und Zugänge halten sich bei uns die Waage.“

Er bestätigt, dass auch im konservativ geprägten Oberland Frauen ihre Liebe zur Feuerwehr entdeckt haben. In Murnau sind es rund zehn Prozent. 2011 schoben bei den bayerischen Feuerwehren rund 25 000 weibliche Mitglieder Dienst, elf Jahre später sind es nach Auskunft von Marina Wieluch, die beim Landesfeuerwehrverband die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet, fast 34 000. Berührungsängste zwischen Mann und Frau kennt Wieluch, selbst in Augsburg als ehrenamtliche Feuerwehrfrau tätig, nicht. Getrenntes Umkleiden vor dem Einsatz ist meist räumlich in älteren Feuerwehrhäusern nicht möglich. Wieluch sieht kein Problem darin, „weil man sich vor dem Anziehen der Einsatzmontur nicht gänzlich nackig machen muss“.

In Seehausen (Kreis Garmisch-Partenkirchen) sollen allerdings die männlichen Feuerwehrmitglieder darauf gedrängt haben, dass die Kolleginnen eigene Umkleiden erhalten. Der Wunsch wurde umgesetzt.

Dort, wo es Probleme gibt, werden kreative Lösungen gesucht – und gefunden. Der LFV versucht, über Kampagnen – für 24. September ist beispielsweise die lange Nacht der Feuerwehren geplant – neue Mitglieder zu werben. In Dachau war man mit einer Idee erfolgreich, die Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) hatte. Er forderte die Feuerwehr zu einer Wette heraus. Er war überzeugt, dass sie es nicht schafft, bis Ende des Jahres 22 neue Aktive zu finden. Hartmann irrte. Bereits nach drei Monaten verzeichnete man 22 neue Mitglieder, weitere fünf konnte man an benachbarte Feuerwehren im Landkreis vermitteln. „Die Feuerwehr hat die Wette klar gewonnen, daran gibt’s nichts zu rütteln“, sagt Hartmann.

Auf die neuen Einsatzkräfte wartet ein weites Betätigungsfeld, das sich in den zurückliegenden Jahren allerdings stark gewandelt hat. So sind es Florian Krammer zufolge nun hauptsächlich technische Hilfsleistungen, die den Großteil der Einsätze ausmachen und seltener der klassische Hausbrand. Die Zahl der Katastrophenschutzeinsätze nehme zu. Jüngstes Beispiel: das Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen, zu dem fast alle Feuerwehren des Landkreises ausgerückt waren, um zu helfen, zu retten und zu bergen. VON PETER REINBOLD

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