Lindau/München – Wegen des niedrigen Wasserstandes im Bodensee müssen vor allem am westlichen Ufer die ersten Boote aus den Häfen an Land geholt werden. „Bei uns liegt eigentlich kein Boot mehr, wo es soll“, sagt der Hafenmeister der Gemeinde Moos (Kreis Konstanz), Martin Graf. Rund ein Drittel der Boote an den rund 400 Liegeplätzen sei entweder verlegt oder aus dem Wasser genommen worden. „So niedrige Wasserstände gibt es schon ab und zu, aber normalerweise nicht zu dieser Jahreszeit.“ Auf bayerischer Seite des Sees ist die Situation etwas entspannter. Die Lage sei „noch nicht so gravierend“, sagte der Vorsitzende des Yacht-Clubs Lindau, Thomas Otto. Wenn der Wasserstand aber weiter in dem Tempo der vergangenen Wochen sinke, müssten Ende August wohl auch in Lindau die ersten Boote aus dem Wasser geholt werden.
Der Bodensee bei Konstanz ist seinem Rekordniedrigstand von 3,17 Metern nahe, der in den Jahren 1949 und 1876 erreicht wurde: Noch schlimmer aber leidet Franken unter der Trockenheit. Viele Landkreise im Norden des Freistaats haben wegen des anhaltenden Niederschlagsmangels verboten, Wasser aus Bächen, Flüssen und Seen zu nehmen. In den fränkischen Landkreisen Forchheim, Lichtenfels und Weißenburg-Gunzenhausen zum Beispiel gelten solche Verbote schon seit Mitte Juli. Kleine Mengen darf man weiter als „Gemeingebrauch“ aus den Gewässern schöpfen – zum Beispiel mit Gießkannen oder Trinkflaschen.
Auch die Nutzung von Trinkwasser aus dem Hahn, um Pflanzen im Garten oder den Feldern zu wässern, darf eingeschränkt oder sogar verboten werden. Untersagen können im Freistaat Wasserversorger „in begründeten Einzelfällen“ alles, wofür nicht zwingend Trinkwasser nötig ist. Dann ist zum Beispiel das Befüllen von Pools und Planschbecken mit Leitungswasser ebenso tabu wie das Gießen von Pflanzen oder das Waschen von Autos.
Wer trotz eines Entnahmeverbots Wasser aus Bächen, Flüssen und Seen holt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro. Bei Verstößen gegen Trinkwasser-Einschränkungen seitens der Wasserversorger drohen zudem Buß- und Zwangsgelder. Allerdings sind die Verbote meist schwer zu überwachen, weil die Wasserversorger keinen Überblick darüber haben, in welchem Haushalt gerade vielleicht besonders viel Wasser verbraucht wird.
Um ihre Wasserversorgung müssen sich die Bürger aktuell noch keine Sorgen machen. Allerdings rechnet Wasserrechtsexpertin Juliane Thimet damit, dass der Streit um die Verteilung des Grundwassers schärfer wird. „Wir müssen jetzt alle schauen, dass wir unsere Reserven aufsparen“, sagt sie. „Denn die Frage ist: Was machen wir, wenn es noch schlimmer wird?“ dpa